Situation 29

Schneise der Verwüstung

Hurrikan-Opfer aus den USA

Im Oktober 2012 traf Sandy die Ostküste der USA. Der größte atlantische Hurrikan fegte mit Sturmböen von 150 Stundenkilometern, starken Regenfällen und meterhohen Flutwellen über die Küstengebiete hinweg und hinterließ eine Schneise der Verwüstung. Küstenorte wurden überflutet, mindestens 650.000 Häuser zerstört, Straßen beschädigt. 72 Menschen starben. 8,5 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner waren ohne Strom. In New York kam das öffentliche Leben zum Erliegen: Schulen, Flughäfen, U-Bahn und die Börse wurden geschlossen. Nach der Katastrophe standen viele vor dem Nichts und mussten in Notunterkünften ausharren, weil ihre Häuser zerstört oder unbewohnbar waren. Mit Schäden in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar ist Sandy nach dem Wirbelsturm Katrina die zweitgrößte Sturmkatastrophe in den USA.

Frühwarnsysteme hatten Vorbereitungen auf den Sturm ermöglicht und schlimmere Folgen verhindert. Der Hurrikan machte jedoch deutlich, dass auch in reichen Ländern wie den USA kein vollständiger Schutz möglich ist. Besonders die marode Infrastruktur, veraltete Stromleitungen und die leichte Bauweise der Häuser waren für die enormen Sachschäden verantwortlich. Mit Blick auf die Kosten waren die USA im Jahr 2012 unter den am stärksten von Katastrophen betroffenen Ländern der Welt.

Zerstörerische Folgen

Auch in der Karibik wütete Hurrikan Sandy. Starkregenfälle lösten in Haiti schwere Überflutungen aus. 27.000 Häuser wurden zerstört und 12.000 neue Cholera-Fälle gemeldet. Die Schäden lagen bei 750 Millionen US-Dollar. In dem armen Land Haiti, das sich nach dem schweren Erbeben 2010 mit 230.000 Todesopfern und 1,5 Millionen Vertriebenen noch nicht erholen konnte, haben diese Zahlen ein anderes Gewicht. In > ärmeren Ländern sind die Folgen von Hurrikans in der Regel verheerender, da sie nicht über ausreichende Möglichkeiten verfügen, sich zu schützen.

Allerdings hatte Hurrikan Katrina sieben Jahre zuvor gezeigt, dass auch die Bevölkerung der USA massiv betroffen sein kann. Damals wurde fast die komplette Stadt New Orleans überflutet. 1.800 Menschen starben, mehr als eine Million wurden evakuiert. Katrina löste in den USA die größte Flüchtlingswelle seit 150 Jahren aus. Betroffen waren hauptsächlich die armen Bevölkerungsgruppen.

Der Klimawandel wird Hurrikans künftig verstärken. In Verbindung mit dem ansteigenden Meeresspiegel werden Sturmfluten vor den Küsten verheerender, gefährden ganze Küstengebiete und Metropolen wie New York. Die USA gehören weltweit zu den zehn am meisten vom ansteigenden Meeresspiegel betroffenen Ländern. Daneben bedrohen  Hitzewellen, Trockenheit und Dürren infolge des Klimawandels einige Regionen der USA .

CO2-Ausstoß heizt den Klimawandel an

Gleichzeitig tragen die USA als zweitgrößter > CO2-Emittent der Welt massiv zum Klimawandel bei und sind für fast ein Fünftel der globalen Emissionen verantwortlich. Eine Person in den USA verursacht im Durchschnitt in zwei Tagen die selbe Menge CO2 wie eine Person in Ruanda in einem ganzen Jahr. Mit einem pro-Kopf-Ausstoß von 17,3 Tonnen übersteigen die Emissionen ebenfalls weit die Chinas, obwohl China inzwischen der weltweit größte CO2-Produzent ist. Alleine der Anstieg der Emissionen in den USA zwischen 1990 und 2004 ist größer als die Gesamtemissionen Afrikas südlich der Sahara. Die Ursache liegt vor allem darin, dass in den USA nach wie vor viel Energie aus fossilen Brennstoffen, insbesondere Kohle, gewonnen wird. Hinzu kommt neuerdings die umstrittene Methode des Frackings, bei der Erdöl und -gas mit Chemikalien aus tiefen Gesteinsschichten gepresst werden, was eine eine Verschmutzung des Wassers verursacht. Das Potential für > erneuerbare Energien ist vorhanden und wird zunehmend genutzt. Der Umstieg erfolgt jedoch viel zu langsam.

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Die Geschichte zum Anhören

Ökologischer Fussabdruck

Foto: Peter Groth

Quellen & weitere Informationen

DGVN: CO2-Emissionen ausgewählter Länder > zur Grafik

DGVN/PIK: Kippelemente des Weltklimas > zur Grafik

Greenpeace 2007: Klimaflüchtlinge. Die verleugnete Katastrophe > zum Dokument (PDF)

Hurrikan „Sandy“: Die tödliche Kraft des Supersturms. SPIEGEL online (1.11.12) > zum Artikel

IDMC 2011: Displacement due to natural hazard-induced disasters. Global estimates for 2009 and 2010 > zum Bericht (PDF)

Millionen ohne Strom – U-Bahn unter Wasser. Tagesschau (30.10.12) > zum Artikel

National Hurricane Center 2013: Tropical Cyclone Report, Hurricane Sandy > zum Bericht (PDF)

Sandy zeigt, wie marode Amerikas Infrastruktur ist. ZEIT online (31.10.12) > zum Artikel

UNDP: Den Klimawandel bekämpfen: Menschliche Solidarität in einer geteilten Welt. Bericht über die menschliche Entwicklung 2007/2008 > zum Bericht (PDF)

UNDP: Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. Eine bessere Zukunft für alle. Bericht über die menschliche Entwicklung 2011 > zum Bericht (PDF)

UNEP 2012: Global Environment Outlook, Summary for North America > zum Bericht (PDF)

UNISDR (United Nations Office for Disaster Risk Reduction): 2012 disasters in numbers > zum Dokument (PDF)

United States Environmental Protection Agency: Climate Change Impacts and Adapting to Climate Change > zur Webseite

Wheeler, David 2011:  Quantifying Vulnerability to Climate Change: Implications for Adaptation Assistance > zum Artikel (PDF)

World Bank: Data USA > zur Webseite