Situation 28

Dürre in den USA

Maisbauer aus den USA

Im Sommer 2012 waren weite Teile der USA von der schlimmsten Dürre seit Jahrzehnten betroffen. Ausbleibende Niederschläge und Rekordtemperaturen ließen die Felder verdorren. Ernten vertrockneten, Viehfutter wurde knapp. Flüsse trockneten aus und Fische starben bei Wassertemperaturen von 36 Grad Celsius massenweise. Die Dürre verursachte Schäden in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar. Durch die Ernteausfälle stieg der Preis für Mais um 50 Prozent. Auch Weizen, Soja, Fleisch und Milchprodukte wurden teurer.

Bäuerinnen und Bauern, die Teile ihrer Ernte retten konnten, profitierten von den gestiegenen Getreidepreisen und konnten so trotz geringerer Erträge ihr Einkommen sichern. Darüber hinaus ist der Großteil des amerikanischen Anbaugebiets durch Versicherungen abgedeckt. Die staatlich gestützte Ernteausfallversicherung der USA gilt international als vorbildlich. Schwieriger hatten es Viehbäuerinnen und -bauern, die kein Viehfutter mehr kaufen konnten.

Drohende globale Nahrungskrise

Den Preis der Dürre zahlten die > Armen der Welt, die sich aufgrund der erhöhten Getreidepreise keine Nahrungsmittel mehr leisten konnten. Die USA sind der größte Maisproduzent und -exporteur der Welt, die Ernteeinbußen hatten daher Folgen für den Weltmarkt und die Welternährung. Mais ist in vielen afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Länder, die von Nahrungsmittelimporten stark abhängig sind, sind für Preisanstiege besonders verwundbar. Und dort trifft es vor allem die Armen, die den Großteil ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben. Befürchtungen einer weltweiten Nahrungskrise wurden durch weitere Dürren in Südamerika und Russland verschärft. Die Masse der Weltproduktion wichtiger Getreidesorten liegt bei nur wenigen Ländern.

Besonders strittig wurde im Zuge der US-Dürre die Nutzung von Mais für Biosprit: 40 Prozent der Ernte werden für die Biokraftstoffproduktion verwendet. Die hohe Nachfrage sorgte in den letzten Jahren für eine Intensivierung des Maisanbaus. Angesichts der Knappheit 2012 wurde gefordert, die Produktion zu verringern und den Mais für die Nahrungsmittelversorgung zur Verfügung zu stellen. Für die Herstellung von 50 Liter Biosprit sind 352 Kilogramm Mais notwendig.

Klimawandelfolgen in den USA

Der Klimawandel wird sich in häufigeren Hitzewellen bemerkbar machen. Bis zum Jahr 2050 könnte sich die Häufigkeit in den Städten der USA bereits verdoppeln. Maisbäuerinnen und -bauern müssen zunehmend auf hitzetolerante Sorten umsteigen. Mit der einseitigen Nutzung der Agrarflächen in den USA wächst der Druck auf die Umwelt. Nur wenige Getreidesorten werden angebaut, die in erster Linie der Produktion von Biokraftstoffen und Fleisch dienen. So ist die Menge an Getreide, die als Viehfutter genutzt wird, vermutlich siebenmal so groß wie die von der Gesamtbevölkerung konsumierte Getreidemenge.

Dürren und Überflutungen durch extreme Wetterereignisse gefährden die Wasserversorgung in einigen Regionen. Weltweit ist der Wasserverbrauch pro Kopf in den USA am höchsten. Auch die Gefahr von Waldbränden wächst. Der Klimawandel bedroht die USA außerdem durch heftigere Hurrikans und den ansteigenden Meeresspiegel. Dabei trägt das Land selbst massiv zur globalen Erwärmung bei: Die USA sind der zweitgrößte > CO2-Emittent der Welt.

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Die Geschichte zum Anhören

Ökologischer Fussabdruck

Foto: Peter Groth

Quellen & weitere Informationen

Bauern sollen sich gegen Dürre versichern. ZEIT online (21.8.12) > zum Artikel

Climate Change to Affect Corn Prices, Study Says. The New York Times (22.4.12) > zum Artikel

DGVN: CO2-Emissionen ausgewählter Länder > zur Grafik

Dürre in den USA: Fleisch und Milchprodukte werden teurer. SPIEGEL online (26.7.12) > zum Artikel

Dürre treibt Getreide- und Fleischpreise in die Höhe. Tagesschau (3.8.12)

Extreme Dürre in USA: Juli 2012 bricht Hitze-Rekord. SPIEGEL online (8.8.12) > zum Artikel

FAO: Joint statement from FAO, IFAD and WFP on international food prices. UN Agencies appeal for swift, coordinated action (4.9.12) > zum Artikel

IRIN News: FOOD: Another crisis coming? (12.7.12) > zum Artikel

SWR: Biosprit 2.0: Die Suche nach neuen Kraftstoffen > zur Webseite

UNDP: Den Klimawandel bekämpfen: Menschliche Solidarität in einer geteilten Welt. Bericht über die menschliche Entwicklung 2007/2008 > zum Bericht (PDF)

UNEP 2012: Global Environment Outlook, Summary for North America > zum Bericht (PDF)

UNISDR (United Nations Office for Disaster Risk Reduction): 2012 disasters in numbers > zum Dokument (PDF)

United States Environmental Protection Agency: Climate Change Impacts and Adapting to Climate Change > zur Webseite

Uno-Appell wegen Dürre: USA sollen Biotreibstoff-Produktion drosseln. SPIEGEL online (10.8.12) > zum Artikel

US-Dürre. Wie Biosprit die Nahrung verteuert. ZEIT online (23.8.12) > zum Artikel