Situation 27

Anden-Gletscher schwinden

Städtische Zuwanderin aus Bolivien

Der Klimawandel lässt durch steigende Temperaturen und abnehmende Niederschläge die Schneedecke der Berggipfel im bolivianischen Hochland schwinden. Die Anden-Gletscher schmelzen, damit versiegt die wichtigste Wasserquelle für die Bevölkerung Boliviens. In der trockenen Jahreszeit versorgen die Tropengletscher Flüsse in Bolivien, Peru, Kolumbien, Chile und Ecuador mit Wasser, in der niederschlagsreichen Zeit speichern sie das Wasser als Schnee. Die schnell fortschreitende Gletscherschmelze sorgt anfangs für mehr Wasser, bedroht später aber die Wasserverfügbarkeit in der ganzen Anden-Region. Einige Gletscher sind bereits verschwunden. Schon im Jahr 2025 könnten 70 Prozent der Bevölkerung Lateinamerikas aufgrund der Gletscherschmelze und des ansteigenden Meeresspiegels von > Wasserstress betroffen sein.

Viele bolivianische Bauernfamilien müssen ihr Leben auf dem Land aufgeben, weil das Schmelzwasser der Gletscher ausbleibt und Trockenheit und Dürren im Sommer ihre Ernten vernichten. Sie ziehen in Städte wie La Paz, doch dort leben sie oft in Armut und können sich die städtische Wasserversorgung nicht leisten. La Paz ist zu 30 Prozent vom Schmelzwasser der Anden-Gletscher abhängig. Nicht nur der Klimawandel erschwert künftig die Wasserversorgung, auch die wachsende Stadtbevölkerung durch Landflucht und der steigende Wasserbedarf machen das Wasser knapper.

Klimawandel und Urbanisierung

Migration und > Urbanisierung sind in den Ländern Lateinamerikas stark ausgeprägt. 79 Prozent der Bevölkerung lebt in Städten, bis zum Jahr 2050 werden es voraussichtlich mehr als 86 Prozent sein. Schon heute sind rund 40 Prozent der Stadtbevölkerung arm. Bis zu einem Viertel lebt in Slums oder Provisorien, in Bolivien sogar rund die Hälfte der Stadtbevölkerung. Meist haben sie keinen Zugang zu grundlegenden Einrichtungen und zur Sanitärversorgung.

Mit der fortschreitenden Urbanisierung, die durch die Auswirkungen des Klimawandels noch verstärkt wird, wächst die > Armut in den Städten weiter. Hinzu kommen zusätzliche Umweltschädigungen durch die Zerstörung von Ökosystemen und Wäldern, Abfälle, Boden-, Wasser- und Luftverschmutzung sowie eine Verknappung des Trinkwassers. Die wachsenden Städte lassen den Energieverbrauch und > CO2-Emissionen steigen und könnten damit den Klimawandel weiter anzuheizen.

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Foto: Jean-Michel Coureau / Gamma/ laif

Die sprechende Person und die abgebildete Person sind nicht identisch.

Quellen & weitere Informationen

DGVN: Schmelzen der Gletscher > zur Grafik

Deutsche Welle: Drohende Wasserkonflikte in den Anden: Eine Frage von Verfügbarkeit und Verteilung > zum Artikel

IRIN: Bolivia´s Changing Climate > zum Video

UN DESA 2012: World Urbanization Prospects. The 2011 Revision > zum Bericht (PDF)

UNDP: Den Klimawandel bekämpfen: Menschliche Solidarität in einer geteilten Welt. Bericht über die menschliche Entwicklung 2007/2008 > zum Bericht (PDF)

UNDP: Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. Eine bessere Zukunft für alle. Bericht über die menschliche Entwicklung 2011 > zum Bericht (PDF)

UNEP 2010: Latin America and the Caribbean: Environment Outlook > zum Bericht (PDF)

UN Habitat 2008: State of the World´s Cities 2010/2011 > zur Webseite

UNU-EHS 2008: Environmental Change and Forced Migration Scenarios (EACH-FOR): General overview Latin America > zum Bericht (PDF)

World Bank / Global Facility for Disaster Reduction and Recovery (GFDRR) 2011: Preventive Resettlement of Populations at Risk of Disaster: Experiences from Latin America > zum Bericht (PDF)