Situation 26

Zerstörerische Hurrikans

Hurrikan-Opfer aus Nicaragua

Im Oktober 1998 traf Hurrikan Mitch Nicaragua und kostete rund 4.000 Menschen das Leben. Bis heute ist der Hurrikan schmerzlich in Erinnerung geblieben, noch immer gelten 7.000 Menschen als vermisst. Weite Teile des Landes wurden durch den Sturm und tagelange Regenfälle verwüstet. Überschwemmungen und Erdrutsche vernichteten Ernten und 50.000 Häuser. Straßen, Schulen, Strom- und Wasserversorgungssysteme wurden beschädigt. Die Katastrophe verunreinigte Trinkwasser und ließ die > Armut und Unterernährung bei Säuglingen ansteigen. Zahlreiche Familien mussten bis zu einem Jahr in Notunterkünften ausharren.

Insgesamt starben in Mittelamerika 10.000 bis 15.000 Menschen durch Hurrikan Mitch, 1,5 Millionen verloren ihre Häuser. Die wirtschaftlichen Schäden beliefen sich auf sechs Milliarden US-Dollar. Die hohe Zahl der Todesopfer geht vor allem darauf zurück, dass viele Kleinbäuerinnen und -bauern in gefährdeten Regionen leben. In Risikogebieten – an Hängen oder Flüssen – siedeln insbesondere arme Bevölkerungsgruppen. In Nicaragua löste der tagelange Regen am Vulkan Casita eine riesige Schlammlawine aus, die Tausende Menschen und fünf Dörfer unter sich begrub. Opfer von Erdrutschen wurden auch die Slumbewohnerinnen und -bewohner der Hauptstadt Honduras, Tegucigalpa, die ebenfalls in Hanglage wohnen.

Nicaragua gehört zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas, fast die Hälfte der Bevölkerung lebte zum Zeitpunkt des Hurrikans unterhalb der Armutsgrenze. Gelder für Schutzmaßnahmen fehlen weitestgehend, was die Auswirkungen der Katastrophe verstärkte. Zusätzlich erhöht die Umweltdegradierung die Anfälligkeit für zerstörerische Hurrikans. Plantagenwirtschaft und großangelegte Waldrodungen haben die Böden ausgelaugt und Erdrutsche begünstigt. Die Erschöpfung der Böden infolge von Abholzungen, > Erosion und > Wüstenbildung ist in Zentralamerika bereits ein verbreitetes Problem.

Klimawandel verstärkt Hurrikans in Zentralamerika

Seit den 1990er Jahren haben die tropischen Wirbelstürme in Nicaragua zugenommen. Der Klimawandel wird mit der Erwärmung der Meeresoberfläche die Hurrikans in Mittelamerika und der Karibik verstärken, eine der heute schon am meisten betroffenen Regionen der Welt. Heftige Regenfälle begleiten die Stürme, während die Niederschläge in der Trockenzeit zu gering sind. Das Wetterphänomen El Niño verstärkt die Trockenheit zwischen Juni und August, häufig kommt es zu Dürren. Der Klimawandel wird diese Gegensätze noch verstärken. Darunter leiden besonders die Kleinbäuerinnen und -bauern, die sich eine > Anpassung an Dürren und Starkregenfälle nicht leisten können. Fluten und Hurrikans haben in Zentralamerika allein im Jahr 2011mehr als 600.000 Menschen vertrieben. Nicaragua war in den letzten 20 Jahren eines der am meisten von Extremwetterereignissen betroffenen Länder weltweit.

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Ökologischer Fussabdruck

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Tini von Poser

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Foto: Anders Birch/laif

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Quellen & weitere Informationen

Germanwatch 2012: Globaler Klima-Risiko-Index 2013 > zum Bericht (PDF)

IDMC 2012: Global estimates 2011. People displaced by natural hazard-induced disasters > zum Bericht (PDF)

Inter-American Development Bank (IDB) 2002: Central America after Hurricane Mitch. The Challenge of Turning a Disaster into an Opportunity > zur Webseite

Medico International: Tödliche Lawinen > zum Artikel

SRF (Schweizer Radio und Fernsehen): Nicaragua, vom Klimawandel betroffen > zum Audiobeitrag

UNDP: Den Klimawandel bekämpfen: Menschliche Solidarität in einer geteilten Welt. Bericht über die menschliche Entwicklung 2007/2008 > zum Bericht (PDF)

UNDP: Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. Eine bessere Zukunft für alle. Bericht über die menschliche Entwicklung 2011 > zum Bericht (PDF)

UNDP Climate change Country Profiles: Nicaragua > zum Bericht (PDF)

UNU-EHS 2008: Environmental Change and Forced Migration Scenarios (EACH-FOR): General overview Latin America > zum Bericht (PDF)

UNU-EHS et al. 2009: In Search of Shelter. Mapping the Effects of Climate Change on Human Migration and Displacement > zum Bericht (PDF)

Vertane Chance nach dem Sturm, Monde Diplomatique (11.2.2005) > zum Artikel

World Bank / Global Facility for Disaster Reduction and Recovery (GFDRR) 2011: Preventive Resettlement of Populations at Risk of Disaster: Experiences from Latin America > zum Bericht (PDF)