Situation 23

Untergang droht

Inselbewohnerin der Carteret-Inseln, Papua-Neuguinea

Der Klimawandel hat die Lebensumstände auf den Carteret-Inseln im Südpazifik sichtlich erschwert. Der ansteigende Meeresspiegel überflutet das Land, zerstört Gärten und Anbauflächen. Die Lebensgrundlagen schwinden, die Bevölkerung leidet bereits Hunger.

Schon die Hälfte des Atolls, bestehend aus sechs kleinen und tief liegenden Inseln, ist im Meer versunken. Die rund 2.500 Bewohnerinnen und Bewohner müssen erleben, wie die Inseln durch wiederkehrende Überflutungen und > Erosion weiter schrumpfen. Die > Versalzung von Böden und Grundwasser hat den Anbau von Gemüse unmöglich und das Trinkwasser knapp gemacht. Die Bevölkerung ist abhängig von Hilfen von Außen und erhält Lebensmittellieferungen.

Auch häufigere Wirbelstürme und Korallensterben sind Folgen der globalen Erwärmung. Mit dem Absterben der Korallen gehen die Fischbestände zurück, eine weitere wichtige Lebensgrundlage der Atollbewohnerinnen und -bewohner.

Umsiedlung der Inselbevölkerung

Angesichts der dramatischen Lage beschloss die Regierung Papua-Neuguineas im Jahr 2005, die Einwohnerinnen und Einwohner der Carteret-Inseln umzusiedeln. Nach und nach sollten jeweils zehn Familien auf die größere Insel Bougainville umziehen. Doch einige von ihnen, besonders die älteren Menschen, weigern sich, ihre Inseln zu verlassen. Gleichzeitig haben sie Angst, dass eine starke Flut eines Tages ihre Insel einfach wegschwemmen könnte. Die Umsiedlung verläuft schleppend, der Hausbau für die Familien auf Bougainville kommt nur langsam voran.

Die Menschen der Carteret-Inseln galten als die ersten Klimaflüchtlinge der Welt. Ihr Beitrag zum globalen Klimawandel ist verschwindend gering. Noch nicht einmal Strom oder Autos finden sich auf den Inseln.

Die > CO2-Emissionen Papua-Neuguineas pro Kopf liegen bei 0,5 Tonnen. Insbesondere Abholzung und Rodungen der Wälder sind für die Emissionen des niedrig entwickelten Landes verantwortlich. Die Regierung verkauft riesige Landflächen vor allem an ausländische Investoren und multinationale Konzerne, die dort Palmölplantagen anlegen.

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Die Geschichte zum Anhören

Ökologischer Fussabdruck

TON UND FOTO

Tini von Poser

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Foto: G.Westrich/ laif

Die sprechende Person und die abgebildete Person sind nicht identisch.

Quellen & weitere Informationen

Auf der Flucht vor dem Klima. Positionspapier deutscher Nichtregierungsorganisationen, Jan. 2013 > zur Publikation (PDF)

IRIN: Papua New Guinea: The world´s first climate change „refugees“, News, 8.6.08 > zum Artikel

IOM 2008: Migration and Climate Change > zum Bericht (PDF)

SRF: Wenn Inseln untergehen > zum Audiobeitrag

Struck-Garbe, Marion 2009: Umzug wider Willen. Die Folgen des Klimawandels für die Carteret-InselbewohnerInnen im Pazifik > zum Artikel (PDF)

UNDP: Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. Eine bessere Zukunft für alle. Bericht über die menschliche Entwicklung 2011 > zum PDF

Worldbank: Data Papua New Guinea > zur Webseite

WWF Living Planet Report 2012 > zur Webseite