Situation 21

Vernichtung der Wälder

Ehemaliger Holzfäller aus Indonesien

Die massive Abholzung der Tropenwälder Indonesiens verstärkt die Auswirkungen des Klimawandels, die in dem größten Inselstaat der Welt schon heute sichtbar sind. Der mit Abstand größte Teil der > CO2-Emissionen geht auf die Entwaldung zurück. Der > Weltklimarat (IPCC) schätzt, dass die weltweite Entwaldung für rund 17 Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich ist.

Indonesien ist ein Brennpunkt der globalen Waldvernichtung. 20 Prozent der Wälder wurden alleine in den zehn Jahren zwischen 2000 und 2010 zerstört, eine Fläche vergleichbar mit der Größe Großbritanniens. Die Torfmoorwälder sind gigantische Kohlenstoffspeicher. Bei der Brandrodung entstehen riesige Mengen CO2. Auch nach Jahren hält der CO2-Ausstoß an, wenn sich die Torfmoorböden allmählich zersetzen.

Die Wälder müssen für die Errichtung von Palmölplantagen weichen, aber auch für die Holz- und Papierproduktion. Neben Malaysia ist Indonesien der größte Produzent und Exporteur von Palmöl der Welt. Abnehmer sind insbesondere China, Japan, Nordamerika und die EU. Palmöl findet in erster Linie in der Lebensmittel-, Reinigungs- und Kosmetikindustrie Verwendung, z.B. für Schokoriegel oder Shampoo. Die Plantagen werden außerdem zur Gewinnung von Biotreibstoffen genutzt – dass dafür Wälder in großem Stil vernichtet werden, hat Diskussionen um die ‚Bio‘-treibstoffe ausgelöst. Die Zerstörung der Wälder hat Folgen für Mensch und Umwelt: Sie bedroht die Biodiversität des artenreichen Regenwalds ebenso wie die Lebensgrundlagen der Landbevölkerung und der indigenen Bevölkerung.

Der Erhalt der Wälder ist ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz. Zwar bemüht sich die Regierung offiziell um eine Reduzierung der CO2-Emissionen. Mindestens 80 Prozent der Abholzung erfolgt jedoch illegal. Der Handel mit dem Holz bietet in einem Land, in dem mehr als die Hälfte der Bevölkerung mit weniger als zwei US-Dollar am Tag leben muss, eine Einkommensquelle. Rund 20 Euro erhält man für einen Kubikmeter Holz.

Anfälligkeit für Klimarisiken wächst

Der verhältnismäßig geringe ökologische Fußabdruck pro Kopf geht vor allem auf die große Bevölkerungszahl Indonesiens zurück, die 230 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner beträgt. Die rasante Industrialisierung zulasten der natürlichen Ressourcen hat einen hohen Preis, denn die Zerstörung besonders der Wälder und Küsten macht das Land anfällig für Klimarisiken. Infolge des Klimawandels fallen Regen- und Trockenzeit bereits extremer aus. Überflutungen, Dürren, Stürme, Erdrutsche und Waldbrände haben in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen. Besonders arme Bevölkerungsgruppen werden künftig stark betroffen sein, denn sie arbeiten in Sektoren, die besonders von Klimaänderungen beeinflusst werden, wie der Fischerei, der Land- oder Waldwirtschaft. Mit über 81.000 Kilometern Küstenlinie werden bis zum Jahr 2050 zudem fast 21 Millionen Indonesierinnen und Indonesier vom ansteigenden Meeresspiegel bedroht sein.

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Die Geschichte im Video

Ökologischer Fussabdruck

VIDEO UND FOTO

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Deutsche Welle – Global Ideas
www.ideasforacoolerworld.de

Foto: picture alliance/moodboard

Die sprechende Person und die abgebildete Person sind nicht identisch.

Quellen & weitere Informationen

Deutsche Welle: Indonesische Torfwälder brauchen Schutz > zum Video

DGVN: Waldvernichtung weltweit > zur Grafik

IPCC 2007: Fourth Assessment Report: Climate Change. Synthesis Report > zur Webseite

UNDP: Den Klimawandel bekämpfen: Menschliche Solidarität in einer geteilten Welt. Bericht über die menschliche Entwicklung 2007/2008 > zum PDF

Worldbank: Climate Change Knowledge Portal. Indonesia Dashboard > zur Webseite

Wheeler, David 2011:  Quantifying Vulnerability to Climate Change: Implications for Adaptation Assistance > zum Artikel (PDF)