Situation 20

Boom auf Kosten des Klimas

Geschäftsmann aus Indien

Indiens Aufstieg zur Wirtschaftsmacht hat zu einem massiven Anstieg klimaschädlicher > CO2-Emissionen und Umweltzerstörung geführt. Damit trägt das Land, das stark von den Folgen des Klimawandels betroffen ist, selbst zur globalen Erwärmung bei.

Das rasante Wirtschaftswachstum machte Indien zu einem der fünf größten Treibhausgasemittenten weltweit, allein zwischen 1990 und 2004 stiegen die Emissionen um 97 Prozent an. Der CO2-Ausstoß pro Kopf liegt allerdings mit 1,5 Tonnen deutlich unter dem westlicher Industrieländer. Denn Indien ist mit seinen 1,2 Milliarden Einwohnern das zweitbevölkerungsreichste Land der Welt. Da Bevölkerung und Wirtschaft künftig weiter wachsen, steigt der Energiebedarf, und mit ihm voraussichtlich die CO2-Emissionen. Entscheidend für eine nachhaltige Entwicklung sind Energieeffizienz und die Förderung > erneuerbarer Energien. Bei der Windkraft belegt Indien bereits den fünften Rang weltweit, Biogas und Solarenergie werden intensiv ausgebaut.

 Klimawandel trifft besonders arme Bevölkerungsteile

Der Wirtschaftsboom konnte zur Reduzierung der > Armut beitragen, sie ist aber nach wie vor ein verbreitetes Problem. Die Ungleichheiten in Indien sind immens. Während z.B. die IT-Branche boomt, hat fast ein Drittel der Bevölkerung nicht einmal Zugang zur Stromversorgung. Indiens landwirtschaftliche Produktion ist enorm: Das Land verfügt über die zweitgrößte Anbaufläche der Welt, gehört zu den Weltmarktführern u.a. bei Gewürzen und Reis und konnte Vorräte zur Ernährungssicherung der Bevölkerung anlegen. Aber 20 Prozent der Inder sind unterernährt, knapp ein Drittel lebt in absoluter Armut, rund 70 Prozent müssen mit weniger als zwei US-Dollar am Tag zurechtkommen.

Die Auswirkungen des Klimawandels werden die Armen am meisten treffen – die Landbevölkerung, die Menschen in den dicht besiedelten Küstengebieten und die Millionen  Menschen in den Slums.

Der infolge des Klimawandels intensivere Monsun führt immer häufiger zu Überschwemmungen. Bleiben die Regenfälle aus, entsteht Wassermangel. Die Landwirtschaft ist stark auf Bewässerung angewiesen, Trockenheit wird daher die Erträge zurückgehen lassen. Das Schmelzen der Himalaya-Gletscher, die wichtige indische Flüsse speisen, wird die Schwierigkeiten der Wasserversorgung verschärfen. Küstengebiete sind vom ansteigenden Meeresspiegel bedroht. Überflutungen in Millionenstädten wie Kolkata und Mumbai werden zunehmen und zahlreiche Menschen gefährden. Weltweit ist Indien das Land, in dem bis Mitte des Jahrhunderts die meisten Menschen vom ansteigenden Meeresspiegel betroffen sein werden – über 37 Millionen.

Bis zum Jahr 2050 wird ein Großteil der indischen Bevölkerung massiv die Folgen des Klimawandels zu spüren bekommen. Wo Menschen ihre Lebensgrundlage verlieren, wird die Landflucht weiter zunehmen. Fluten, Dürren, Stürme und Erdrutsche werden viele Menschen entwurzeln.

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Ökologischer Fussabdruck

Foto: Peter Groth

Quellen & weitere Informationen

Asian Development Bank 2012: Addressing Climate Change and Migration in Asia and the Pacific > zum Bericht (PDF)

Bundeszentrale für politische Bildung: Indien: Gleichgewicht der Gegensätze > zum Film

DGVN: CO2-Emissionen ausgewählter Länder > zur Grafik

Internal Displacement Monitoring Centre 2012: Global estimates 2011. People displaced by natural hazard-induced disasters > zum Bericht (PDF)

UNDP: Den Klimawandel bekämpfen: Menschliche Solidarität in einer geteilten Welt. Bericht über die menschliche Entwicklung 2007/2008 > zum Bericht (PDF)

UNDP: Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. Eine bessere Zukunft für alle. Bericht über die menschliche Entwicklung 2011 > zum Bericht (PDF)

Worldbank Data: Access to electricity (% of population) > zur Webseite – Poverty headcount ratio at $1.25 a day (PPP) (% of population) > zur Webseite

Wheeler, David 2011:  Quantifying Vulnerability to Climate Change: Implications for Adaptation Assistance > zum Artikel (PDF)