Situation 19

Flutkatastrophe

Flutopfer aus Pakistan

Im Jahr 2010 traf Pakistan eine der größten Flutkatastrophen aller Zeiten. Heftige Monsunregenfälle lösten eine riesige Überflutung im Indus-Flussbecken aus. 20 Prozent der Landesfläche standen unter Wasser – eine Fläche beinahe halb so groß wie Deutschland. 20 Millionen Menschen waren von der Katastrophe betroffen, über zehn Millionen mussten fliehen, weil sie ihre Häuser und alles, was sie besaßen, auf einen Schlag verloren hatten. 2.000 Menschen starben. Die Flut hinterließ gigantische Verwüstungen: 1,6 Millionen Häuser und 2,2 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Anbauflächen wurden zerstört. Die Infrastrukturschäden wurden auf 10 Milliarden US-Dollar geschätzt, die wirtschaftlichen Verluste waren gewaltig.

Die Vertriebenen kamen in Flüchtlingslagern oder provisorisch z.B. in Schulen unter. Verunreinigtes Trinkwasser sowie mangelhafte hygienische und sanitäre Bedingungen bargen die Gefahr einer Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Aufgrund der Nahrungsmittelengpässe drohte besonders Kindern Unterernährung. Die Gesundheitsversorgung brach zusammen, weil Kliniken und Medizinvorräte von den Fluten zerstört wurden. Millionen waren auf internationale Nothilfe angewiesen.

Die Katastrophe bedeutete einen Rückschlag für die > Entwicklung des Landes. Neben immensen wirtschaftlichen Schäden – so wurden Straßen zerstört und Bewässerungssysteme für die Landwirtschaft beschädigt – war zunehmende > Armut eine Folge der verheerenden Fluten.

In Teilen der betroffenen Gebiete blieb das Wasser länger stehen, so dass zahlreiche Flutopfer monatelang nicht in ihre Heimat zurückkehren konnten. Manche von ihnen lebten noch ein Jahr später in Camps, während sie ihre Häuser wiederaufbauten.

Klimawandel verstärkt Überschwemmungen

Mit dem Klimawandel könnten sich solche katastrophalen Flutereignisse häufen, denn er verstärkt den Monsun und führt damit zu heftigeren Regenfällen. Die große Mehrheit der pakistanischen Bevölkerung lebt am Indus, dem wichtigsten Fluss des Landes, der regelmäßig Überflutungen ausgesetzt ist. So folgten auch 2011 erneut Überschwemmungen, die 300.000 Menschen vertrieben und zum Teil dieselben Gebiete wie im Vorjahr trafen. 2012 waren fünf Millionen Pakistani von den Fluten betroffen.

Schon Jahre vor der Katastrophe nahmen die Regenfälle am Indus zu, während sie in den trockenen Regionen Pakistans abnahmen und vermehrt Dürren verursachten. Die Gletscherschmelze des Himalaya wird die Fluten des Indus künftig verstärken, später aber wird das Wasser auch hier knapper werden. Für die überlebenswichtige Bewässerungslandwirtschaft in dem Flussbecken hat dies gravierende Konsequenzen. Wassermangel ist heute bereits ein verbreitetes Problem in Pakistan. In den kommenden Jahren werden immer mehr Menschen unter Klimarisiken leiden. Schlechte Umweltbedingungen und Fluten spielen vermehrt eine Rolle bei der Migration, vor allem in die Städte, in Pakistan ebenso wie in anderen südasiatischen Ländern.

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Foto: Rein Skullerud/WFP

Die sprechende Person und die abgebildete Person sind nicht identisch.

Quellen & weitere Informationen

Asian Development Bank 2012: Addressing Climate Change and Migration in Asia and the Pacific > zum Bericht (PDF)

IDMC 2011: Displacement due to natural hazard-induced disasters. Global estimates for 2009 and 2010 > zum Bericht (PDF)

UNDP: The picture of recovery in Pakistan. Ajay Chhibber (15.2.2013) > zum Artikel

UNEP 2010: High mountain glaciers and climate change – Challenges to human livelihoods and adaptation > zur Webseite

UNHCR: Three months after floods first hit Pakistan, camps still critically important (29.10.2010)  > zum Artikel

UNICEF: „Pakistan: Erste Hilfe von UNICEF“ > zum Video

UN OCHA Pakistan: Humanitarian Dashboard Pakistan, March 2013 > zum Dokument (PDF)

WFP: Pakistan > zur Webseite

Worldbank: Climate Change Knowledge Portal. Pakistan Dashboard > zur Webseite

WHO: Health sector treats almost 6 million in flood-affected Pakistan, but great challenges persist (23.9.2010, News Release) > zum Artikel