Situation 18

Chinas zerstörte Umwelt

Stadtbewohnerin aus China

Als riesiges Land mit unterschiedlichen Klimazonen ist China enorm anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels. Wasserknappheit, Dürren, > Desertifikation, Fluten und Taifune bedrohen das bevölkerungsreichste Land zunehmend. In China zu leben bedeutet, weltweit dem höchsten Risiko ausgesetzt zu sein, von einem extremen Wetterereignis betroffen zu sein. Während es im Norden und den Flussregionen zu Überschwemmungen und Trockenheit aufgrund der Gletscherschmelze kommt, werden im Jahr 2050 in den Küstengebieten über 22 Millionen Menschen vom ansteigenden Meeresspiegel gefährdet sein. Jährlich treffen Katastrophen Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Den verheerenden Fluten im Jahr 2011 ging eine monatelange Dürre voraus, die später in Teilen der Flutgebiete erneut eintrat. 35 Millionen Menschen waren von der Dürre betroffen, 370.000 Hektar Nutzflächen zerstört. 4,5 Millionen Menschen wurden im Jahr 2011 durch Katastrophen vertrieben. Allein 3,5 Millionen verloren aufgrund von Fluten ihre Heimat.

Wüsten wachsen

Insbesondere in den nördlichen Regionen ist die Ausbreitung der Wüsten problematisch. Der Klimawandel beschleunigt die > Desertifikation, die Böden unfruchtbar und damit für die landwirtschaftliche Nutzung unbrauchbar macht. Fast 35 Prozent der Landesfläche (Stand 2006) sind betroffen. Ende der 1990er Jahre breiteten sich die Wüsten jährlich um 10.400 Quadratkilometer aus – das entspricht der vierfachen Größe des Saarlands. Mit großangelegten Aufforstungen versucht Chinas Regierung, die Wüsten aufzuhalten. Anfang dieses Jahrhunderts gelang es, die Wüsten jedes Jahr um 7.585 Quadratkilometer einzudämmen. Ursache der Desertifikation sind in erster Linie Abholzungen und Übernutzung der Böden infolge des Bevölkerungswachstums und der Industrialisierung. Mit den Sandstürmen im Frühjahr wachsen die Wüsten weiter. Giftige Schadstoffe in den Stürmen verunreinigen Wasser, Böden und Luft. Die Ausbreitung der Wüsten verschärft > Armut in den ohnehin ärmeren ländlichen Gebieten. Die Landbevölkerung ist immer mehr gezwungen, wegzuziehen, Tausende Dörfer sind gefährdet.

Gravierende Umweltprobleme

Der Klimawandel wirkt mit den gravierenden Umweltproblemen Chinas zusammen, die durch das rasante Wirtschaftswachstum entstanden sind und an deren Folgen jährlich 750.000 Menschen sterben. Zu den drängendsten Problemen gehören Luftverschmutzung, verunreinigtes Trinkwasser und saurer Regen, aber auch Bodenerschöpfung und > Erosion sowie Wassermangel. Infolge der Wasserknappheit ist bereits der Grundwasserspiegel dramatisch gesunken.

Besonders in Megastädten wie Peking ist die Luftverschmutzung stark. Sieben der zehn Städte mit der schlechtesten Luft weltweit befinden sich in China. Smog verursacht Gesundheitsprobleme, jährlich sterben 300.000 Menschen an den Folgen. Ursachen sind die Kohleverbrennung zur Energiegewinnung sowie Abgase von Kraftfahrzeugen. Täglich werden in Peking 1.000 neue Kraftfahrzeuge angemeldet. Erst im Januar 2013 erreichte der Smog einen neuen Rekord und erstreckte sich über eine Fläche der vierfachen Größe Deutschlands. 800 Millionen Menschen waren betroffen. Die Feinstaubwerte kletterten auf 194 Mikrogramm pro Kubikmeter im Monatsdurchschnitt – das ist wesentlich mehr als in einem abgeschlossenen Raucherraum.

Verstädterung nimmt zu

Wo die Landbevölkerung ihre Lebensgrundlage durch Umweltbedingungen verliert, ist ein Umzug in die Städte oft die einzige Option. Der Rückgang der Agrarflächen aufgrund von Dürren, Fluten, Stürmen, Übernutzung und Desertifikation hat große Migrationsbewegungen ausgelöst. Besonders aus nördlichen und westlichen Landesteilen zieht es die Landbevölkerung in die Städte, sowie aus überschwemmungsgefährdeten ländlichen Flussregionen und südöstlichen Küstengebieten. Im Jahr 2008 waren bereits 23 Prozent der registrierten Landbevölkerung in Städte migriert, 210 Millionen Menschen. Infolge der Landflucht entstehen immer mehr Millionenstädte, 2030 werden es bereits 221 sein. Die > Urbanisierung ist in China weltweit am stärksten ausgeprägt. Derzeit leben 690 Millionen Chinesinnen und Chinesen in Städten, bis zum Jahr 2030 werden es eine Milliarde sein.

Viele wachsende Megastädte liegen in Flusstälern oder Küstengebieten und sind damit der Gefahr von Überflutungen ausgesetzt. Treffen wird es besonders die armen Bevölkerungsgruppen, jene, die vom Land in die Städte geflohen sind. Fast ein Viertel aller Slumbewohnerinnen und -bewohner der Welt lebt in China. Migranten sind in den Städten sozial benachteiligt und erhalten häufig keinen Zugang zu Sozialleistungen wie Gesundheitsversorgung, Wohnen und Bildung, wenn sie ihren Heimatort verlassen, um anderswo zu arbeiten.

Energiebedarf steigt

Chinas Umweltprobleme sind hausgemacht. Für die rasant wachsende Wirtschaft ist der Energiebedarf immens. China ist der größte Treibhausgasproduzent der Welt, rund ein Viertel der > Emissionen gehen auf das Land zurück. Pro Kopf liegt der CO2-Ausstoß bei 5,8 Tonnen – damit liegen die CO2-Emissionen unter Berücksichtigung der Bevölkerungsgröße weit unter denen einer Person in den USA (17,3 Tonnen) oder in Deutschland (neun Tonnen). Angesichts der dramatischen Lage im Land bemüht sich China um die Reduktion der Emissionen: In den kommenden Jahren soll die Kohlendioxid-Emissionsintensität (Kohlendioxidausstoß pro BIP-Einheit) gegenüber 2005 um 40 bis 45 Prozent gesenkt werden.

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Ökologischer Fussabdruck

Foto: Ralf Tietz

Quellen & weitere Informationen

Asian Development Bank 2012: Addressing Climate Change and Migration in Asia and the Pacific > zum Bericht (PDF)

DGVN: Klimawandel und Migration > zur Webseite

DGVN: CO2-Emissionen ausgewählter Länder > zur Grafik

DGVN: Brennpunkte in der Geschichte der Waldvernichtung  > zur Grafik

IDMC 2012: Global estimates 2011. People displaced by natural hazard-induced disasters > zum Bericht (PDF)

Institute for Sustainable Development and International Relations (IDDRI) / International Organization for Migration (IOM): The State of Environmental Migration 2011 > zur Webseite

Reich an Nebel – Tagesspiegel, 4. März 2013 > zum Artikel

UNCCD 2006: CHINA NATIONAL REPORT ON THE IMPLEMENTATION OF THE UNITED NATION’S CONVENTION TO COMBAT DESERTIFICATION > zum Bericht (PDF)

UNDP: Den Klimawandel bekämpfen: Menschliche Solidarität in einer geteilten Welt. Bericht über die menschliche Entwicklung 2007/2008 > zum Bericht (PDF)

UNDP: Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. Eine bessere Zukunft für alle. Bericht über die menschliche Entwicklung 2011 > zum Bericht (PDF)

UNDP: Der Aufstieg des Südens: Menschlicher Fortschritt in einer ungleichen Welt. Bericht über die menschliche Entwicklung 2013 > zum Bericht (PDF)

UNU-EHS: Environmental Change and Forced Migration Scenarios (EACH-FOR): General overview Asia > zum Bericht (PDF)

Weltrisikobericht 2012 > zum Bericht (PDF)

Wheeler, David 2011:  Quantifying Vulnerability to Climate Change: Implications for Adaptation Assistance > zum Artikel (PDF)

World Bank Data: China > zur Webseite

WWF 2008: Die Umweltsituation in China > zur Publikation (PDF)