Situation 14

Flucht vor den Wassermassen

Flutopfer aus Bangladesch

Bangladesch gilt als Brennpunkt des Klimawandels. Schon heute ist das Land massiv von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Seine geographische Lage in Südasien – einer der am stärksten ausgesetzten Regionen – in Verbindung mit der weltweit höchsten Bevölkerungsdichte und extremer > Armut machen Bangladesch enorm verwundbar. Über 50 der rund 160 Millionen Einwohner leben in Armut.

Bangladesch liegt fast vollständig im Delta der Flüsse Ganges, Brahmaputra und Meghna. Mehr als 230 Flüsse durchqueren das Land, das kaum über dem Meeresspiegel liegt. Während des jährlichen Monsun werden rund 25 Prozent der Landesfläche überflutet, das entspricht in etwa der Größe Baden-Württembergs. Bei starken Fluten versinken bis zu 70 Prozent im Wasser, eine Fläche fast so groß wie die Baden-Württembergs und Bayerns zusammen. Der Klimawandel lässt den Monsunregen heftiger werden. Die Flüsse überschwemmen riesige Gebiete und vernichten die Lebensgrundlagen, Häuser und Anbauflächen der Menschen. Prognosen zufolge könnten bis zum Jahr 2030 20 Prozent der Landfläche verloren gehen. Überflutungen werden durch den ansteigenden Meeresspiegel sowie durch die Gletscherschmelze des Himalaya verstärkt. Langfristig führt die Gletscherschmelze zu Trockenheit, unter der heute bereits der Nordwesten Bangladeschs leidet. Der Wechsel aus Trockenheit und Fluten sowie extreme Wetterereignisse wie Wirbelstürme werden infolge des Klimawandels zunehmen.

Millionen Menschen vom Klimawandel bedroht

Nirgendwo auf der Welt sind so viele Menschen in so hohem Ausmaß den Folgen des Klimawandels ausgesetzt wie in den südasiatischen Flussdeltas. In Bangladesch waren in den letzten 20 Jahren 135 Millionen Menschen von Katastrophen betroffen. Allein 2004 waren 36 Millionen von Fluten betroffen, 2011 wurde mehr als eine Million aufgrund der Fluten obdachlos.

In besonders betroffenen Flutregionen sind zahlreiche Menschen in andere Landesteile migriert. Doch die dichte Besiedlung Bangladeschs, mit einer Bevölkerungsdichte viermal so hoch wie in Deutschland, macht ein Ausweichen auf höher gelegene Gebiete problematisch: Es fehlt schlichtweg an Platz. Die Fluten haben Migration in das Nachbarland Indien bereits verstärkt. Aus indischer Sicht stellen die Schutzsuchenden aus Bangladesch, deren Zahl künftig durch den Klimawandel noch zunehmen könnten, ein Sicherheitsproblem dar. Die Regierung errichtet daher einen Abwehrwall entlang der Grenze.

Während sich Indien gegen die Fliehenden aus Bangladesch abschottet, trägt es gleichzeitig zur Probleme der Wasserversorgung in Bangladesch bei: Indien nutzt das Wasser der Flüsse, die im Unterlauf durch Bangladesch fließen, selbst intensiv. 91 Prozent des Wassers Bangladeschs stammt aus Indien, das allein über die Hälfte des Ganges-Wassers für die Landwirtschaft umleitet. Damit schränkt Indien die Wasserverfügbarkeit in Bangladesch ein.

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Foto: Shehzad Noorani/WFP

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Quellen & weitere Informationen

Asian Development Bank 2012: Addressing Climate Change and Migration in Asia and the Pacific > zum Bericht (PDF)

Bündnis Entwicklung hilft 2012: Weltrisikobericht 2012 > zum Bericht (PDF)

Deutsche Welle: „Flutvorsorge in Bangladesch“ > zum Video

DGVN: „Brennpunkte der Wasserkrise“ > zur Grafik

Institute for Sustainable Development and International Relations (IDDRI) / International Organization for Migration (IOM): The State of Environmental Migration 2011 > zur Webseite

UN News (3.12.12): In Bangladesh, UN humanitarian chief commends country’s disaster preparedness > zum Artikel

UNU-EHS 2012: Rainfall, Food Security and Human Mobility. Case Study: Bangladesh > zur Studie (PDF)

WFP: Building Resilience on a Fragile Continent – WFP and Climate Change in Asia > zur Webseite

Worldbank: Climate Change Knowledge Portal. Bangladesh Dashboard > zur Webseite