Situation 13

Wasser

Wasserstress – Sicht einer Inderin und einer Deutschen

Der Ganges fließt auf über 2.500 Kilometern vom Himalaya bis zum Golf von Bengalen in Indien. Sein Flussgebiet ist das am dichtesten besiedelte der Welt. Chemikalien, Pestizide und Bakterien haben den „heiligen Fluss“ stark verschmutzt. Täglich werden unbehandelte Abwasser und Industrieabwasser in den Fluss geleitet. Die Verschmutzung gefährdet die Trinkwasserversorgung und Landwirtschaft und hat Infektionskrankheiten zur Folge.

Die wachsende Bevölkerung, Verschmutzung und industrielle Nutzung der Flüsse haben in ganz Südasien zu Wasserknappheit geführt. Ein Viertel der Weltbevölkerung lebt hier, aber nur ein Zwanzigstel der globalen Wasserressourcen befinden sich in der Region. Der Klimawandel wird die Wasserversorgung weiter einschränken. Denn die Gletscher des Himalaya, die den Ganges speisen, schmelzen. In Verbindung mit steigenden Temperaturen wird die Wassermenge drastisch abnehmen, besonders in der Trockenzeit, wenn der Ganges stark vom Schmelzwasser abhängig ist.

Der Wassermangel am Ganges gefährdet Millionen Menschen und mehr als ein Drittel der landwirtschaftlich bewässerten Fläche Indiens. Die wachsende Bevölkerung ist jedoch stark von der Bewässerungslandwirtschaft abhängig, um den Nahrungsmittelbedarf decken zu können. Während des immer heftigeren Monsun kommt es zu Überflutungen, im restlichen Jahr herrscht Wasserknappheit. Da auch der Grundwasserspiegel dramatisch sinkt, erschöpfen alternative Wasserquellen. Besonders der armen Landbevölkerung droht der Verlust der Lebensgrundlage und die Abwanderung in die Slums der Städte.

„Virtuelles Wasser“

Trotz des Wassermangels exportiert Indien Wasser – indirekt, durch den Export von Produkten, für deren Herstellung Unmengen Wasser benötigt werden. Dieses „virtuelle Wasser“ importieren z.B. EU-Länder. Die Produktion von Nahrungsmitteln oder von Gütern wie z.B. Kleidung hat häufig einen hohen Wasserbedarf. Beispielsweise sind für die Herstellung einer Jeans 11.000 Liter Wasser notwendig, für ein Kilogramm Rindfleisch rund 15.000 Liter, für ein Kilogramm Reis bis zu 3.000 Liter.

Textilien gehören zu den wichtigsten Exportgütern Indiens. Die EU importiert Kleidung und Textilien hauptsächlich aus China, Bangladesch und Indien. Die Herstellung hat vor allem aufgrund des bewässerungsintensiven Baumwollanbaus einen riesigen Wasserbedarf. Zusätzlich verschmutzen Pestizide, die beim Anbau von Baumwolle eingesetzt werden, Umwelt und Grundwasser in Indien. Deutschland ist einer der größten Wasserimporteure der Welt, vor allem wegen des hohen Lebensstandards und Fleischkonsums. Indien ist demgegenüber einer der größten Wasserexporteure weltweit.

dgvn_situation13_500px

Die Geschichte im Video

Ökologischer Fussabdruck

VIDEO UND FOTO

dgvn_logo_unep_121x130

www.unep.org

Foto (links): Peter Groth

Foto (rechts):dgvn_logo_sstock_300x65

Die sprechende Person und die abgebildete Person sind nicht identisch.

Quellen & weitere Informationen

Asian Development Bank 2012: Addressing Climate Change and Migration in Asia and the Pacific > zum Bericht (PDF)

DGVN: Brennpunkte der Wasserkrise > zur Grafik

DGVN: „15.000 Liter Wasser für ein Kilo Fleisch“ > zum Artikel

European Commission – Eurostat 2011: External and intra-EU Trade. A Statistical Yearbook > zum Dokument (PDF)

UNDP: Nicht nur eine Frage der Knappheit: Macht, Armut und die globale Wasserkrise. Bericht über die menschliche Entwicklung 2006. > zum Bericht (PDF)

UNDP: Den Klimawandel bekämpfen: Menschliche Solidarität in einer geteilten Welt. Bericht über die menschliche Entwicklung 2007/2008. > zum Bericht (PDF)

UNEP: „Freshwater under Threat South Asia: Crowded Land, Drying Rivers“ > zum Video

UN Water > zur Webseite

„Virtuelles Wasser“ > zur Webseite

Virtual Water Trade (2003) > zur Studie (PDF)