Situation 11

Jahrhunderthochwasser

Hochwasseropfer aus Deutschland

Im Juni 2013 und im August 2002 ließen starke Regenfälle in Deutschland und anderen europäischen Ländern die Flüsse anschwellen. An der Elbe und ihren Nebenflüssen stiegen die Pegel innerhalb weniger Tage auf Rekordmarken und lösten ein Jahrhunderthochwasser aus.

In Dresden erreichte die Elbe im Sommer 2002 einen historischen Höchststand von 9,4 Metern. Ganze Dörfer wurden überflutet, Straßen, Brücken und Häuser schwer beschädigt. 21 Menschen starben damals, Tausende verloren ihre Häuser. Im Zuge des bis dato größten Katastrophenschutz-Einsatzes in Deutschland wurden Tausende Menschen und landwirtschaftliche Betriebe evakuiert. Zahlreiche Einsatzkräfte, Bundeswehr und Freiwillige kämpften gegen die Fluten und stapelten Sandsäcke, wo Deiche zu brechen drohten. Allein in Sachsen betrugen die Sachschäden sechs Milliarden Euro, deutschlandweit 9,2 Milliarden Euro. Mehr als 337.000 Menschen waren vom Hochwasser betroffen. Die Bundesregierung beschloss finanzielle Soforthilfen sowie Aufbauhilfen in Milliardenhöhe, u.a. zur Sanierung der Deiche.

Durch den Klimawandel könnten sich solche Ereignisse künftig häufen. > Arme Länder sind zwar viel stärker von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Aber auch in Deutschland sind sie zu beobachten: Überschwemmungen, Dürren und Hitzewellen, der ansteigende Meeresspiegel und Gletscherschmelze haben Folgen für Mensch und Umwelt. Die Gefahr von Überflutungen wächst durch niederschlagsreichere Winter und schmelzende Alpengletscher besonders im Süden. An der Nordsee treten verstärkt Sturmfluten auf. Dürren im Sommer treffen v.a. den Nordosten, gefährden Ernten und erhöhen das Waldbrandrisiko. Hitzewellen wie im Sommer 2003, als deutschlandweit 7.000 und in Europa 30.000 Menschen starben, werden voraussichtlich zunehmen.

Anpassung an den Klimawandel

> Anpassungsmaßnahmen sind daher unerlässlich. In den kommenden 50 Jahren könnten die Kosten des Klimawandels in Deutschland bis zu 800 Milliarden Euro betragen, v.a. durch Schädigungen von Infrastruktur und Landwirtschaft. Die Bundesregierung hat eine „Anpassungsstrategie an den Klimawandel“ beschlossen. So muss z.B. der Küsten- und Hochwasserschutz ausgebaut werden. Die Landwirtschaft muss sich veränderten Bedingungen beispielsweise durch den Anbau robuster Sorten anpassen.

Deutschland verfügt im Unterschied zu armen Ländern über die entsprechenden Mittel. Vom Klimawandel sind alle betroffen. Entscheidend sind aber die Möglichkeiten zum Umgang mit den Folgen. Teure Schutzmaßnahmen und Frühwarnsysteme existieren in armen Ländern ebenso wenig wie Institutionen wie das Technische Hilfswerk, das im Fall einer Katastrophe die Rettungsmaßnahmen koordiniert. Das Ausmaß der Schäden ist stark von der wirtschaftlichen und sozialen Lage abhängig. Katastrophen vernichten in armen Ländern ganze Existenzen und treiben Menschen in die Flucht. 2011 stammten weniger als ein Prozent aller Menschen, die ihre Heimat aufgrund einer Katastrophe verlassen mussten, aus Europa. Bei Katastrophen in Deutschland fallen Todesopfer und wirtschaftliche Schäden (prozentual am Bruttoinlandsprodukt gemessen) deutlich geringer aus als beispielsweise in vielen asiatischen und mittelamerikanischen Ländern.

Um den Klimawandel einzudämmen, ist seine Begrenzung durch die Reduktion der Treibhausgase entscheidend. Deutschland gehört zu den größten CO2-Emittenten der Welt und ist damit mitverantwortlich für den Klimawandel. Der pro-Kopf-Ausstoß liegt bei neun Tonnen, der Anteil am weltweiten > CO2-Ausstoß bei 2,8 Prozent und damit auf Rang 6.

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Die Geschichte zum Anhören

Ökologischer Fussabdruck

Foto: Dirk Eisermann/laif

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Quellen & weitere Informationen

Auf der Flucht vor dem Klima. Positionspapier deutscher Nichtregierungsorganisationen, Jan. 2013 > zur Publikation (PDF)

Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel > zum Dokument (PDF)
Aktionsplan Anpassung der deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel > zum Dokument (PDF)

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung: Kosten des Klimawandels (26.3.2008) > zum Artikel

Germanwatch 2007: Auswirkungen des Klimawandels auf Deutschland > zum Bericht (PDF)

Germanwatch: Globaler Klima-Risiko-Index 2013 > zum Bericht (PDF)

IDMC 2012: Global estimates 2011. People displaced by natural hazard-induced disasters > zum Bericht (PDF)

KomPass – Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung > zur Webseite

RBB: Das Wunder von Mühlberg zum Video (29.7.2012)

Spiegel online: Jahrhundertflut: Bilanz des Schreckens (26.9.2002) > zum Artikel

SWR: Die große Flut 2002 (7.6.2007) > zum Artikel

Weltrisikobericht 2012 > zum Bericht (PDF)

World Bank: Data Germany > zur Webseite