Situation 10

Unseren Lebensstil überprüfen

Familie aus Deutschland

Durch den privaten Konsum entstehen klimaschädliche > Emissionen, die in Deutschland 40 Prozent des CO2-Ausstoßes ausmachen. Ins Gewicht fallen insbesondere Verkehr und Reisen, Ernährung und Heizen, aber auch Stromverbrauch und der Konsum von Gebrauchsartikeln wie Kleidung, Papier oder Elektrogeräten. Der ökologische Fußabdruck verdeutlicht, dass wir für unseren Lebensstil zu viele Ressourcen verbrauchen und unsere Lebensweise im Schnitt zu wenig nachhaltig ist.

Rund ein Viertel des Energieverbrauchs in Deutschland geht auf private Haushalte zurück. Der Stromverbrauch hat dabei einen Anteil von über 26 Prozent und ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Gleichzeitig bezieht mittlerweile ein Fünftel der Haushalte Ökostrom. Der Autoverkehr ist für 20 Prozent der deutschen CO2-Emissionen verantwortlich. Noch immer nutzen 60 Prozent das Auto als Hauptverkehrsmittel. Zwei Tonnen CO2 entstehen pro Person durch ein Jahr Autofahren. Besonders klimaschädlich sind Flugreisen: Eine einzige Flugreise von Frankfurt nach Sydney und zurück setzt 12,4 Tonnen CO2 pro Person frei und damit mehr als ein Mensch in den ärmsten Ländern in seinem ganzen Leben.

Emissionen durch Ernährung

Jährlich verursacht jede und jeder Deutsche durch die Ernährung 2,1 Tonnen Treibhausgase, die vor allem durch Herstellung, Verarbeitung und Transport der Lebensmittel entstehen. Schuld an den hohen Emissionen sind insbesondere der Genuss von Lebensmitteln aus Übersee und der hohe Konsum von Fleisch und Milchprodukten. Ein Kilogramm Rindfleisch verursacht 13,3 Kilogramm CO2, ein Kilogramm Butter 23,8 Kilogramm. Mit 153 Gramm bzw. 199 Gramm CO2 fällt hingegen die Klimabilanz für ein Kilogramm frisches Gemüse bzw. Kartoffeln deutlich günstiger aus.

Elektroschrott

Auch der nicht nachhaltige Kauf und Umgang mit Gebrauchsartikeln wie Kleidung, Papier oder Elektrogeräten schadet dem Klima, z.B. wenn sie schnell weggeworfen werden. Besonders heikel sind Elektrogeräte. Jedes Jahr werden 20 bis 50 Millionen Tonnen Elektromüll produziert, alleine in der EU hinterlässt jede Person im Schnitt 25 Kilogramm Elektroschrott, mit belastenden Folgen für die Umwelt. Die Herstellung von Computern, Handys, Fernsehern oder Kühlschränken ist ressourcenintensiv und sie enthalten problematische, teils giftige Substanzen. Für die Produktion eines Computers sind 240 Kilogramm fossiler Brennstoffe, 22 Kilogramm Chemikalien und 1,5 Tonnen Wasser notwendig. Der Anteil der Informations- und Kommunikationstechnik an den globalen CO2-Emissionen liegt bereits bei zwei Prozent und damit ähnlich hoch wie des Flugverkehrs. Das Recycling elektronischer Geräte und die Verbreitung energieeffizienter und umweltschonender Geräte ist daher entscheidend, aber auch ein Umdenken der Konsumentinnen und Konsumenten.

Umweltbewusstsein in Deutschland

In Deutschland wächst das Bewusstsein für Klima- und Umweltschutz, 35 Prozent der Bevölkerung stufen diesen sogar als wichtigstes Problem der Gegenwart ein. Jedoch folgt daraus nur begrenzt eine Änderung hin zu einer nachhaltigen Lebensweise. So ist das Auto noch immer für 60 Prozent das Hauptverkehrsmittel. Beim Kauf von Lebensmitteln spielen Preis und Qualität vor Umweltkriterien die Hauptrolle. Der Klimawandel wird zwar als bedeutendes Thema angesehen. Gleichzeitig rechnen die Wenigsten mit Folgen für ihre persönliche Lebensweise oder sehen sich durch die Auswirkungen des Klimawandels in Deutschland wie Hitzewellen, Hochwasser oder Stürme bedroht.

CO2-Emissionen begrenzen

Um den Klimawandel zu begrenzen, müssen die weltweiten CO2-Emissionen bis zur Mitte des Jahrhunderts um mindestens 80 Prozent sinken, das gilt in erster Linie für entwickelte und aufsteigende Schwellenländer. In Deutschland müssen die pro-Kopf-Emissionen drastisch reduziert werden, vor allem unter Berücksichtigung der Klimagerechtigkeit, wonach jedem Menschen auf der Erde die Produktion derselben Menge CO2 zusteht. Für die Menschen in > armen Ländern, deren CO2-Ausstoß pro Kopf häufig unter einer Tonne beträgt, bedeutet dies zugleich, dass sie das Recht haben, mehr CO2 zu produzieren.

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Ökologischer Fussabdruck

Foto: Peter Groth

Quellen & weitere Informationen

BMU: Essen und Klimaschutz > zur Webseite

BMU: Green IT > zur Webseite

BMU: Nachhaltiger Konsum > zur Webseite 

BMU: Recyclingpapier > zur Webseite

BMU / Umweltbundesamt 2013: Umweltbewusstsein in Deutschland 2012 > zur Studie

Forum Ökologie und Papier / Umweltbundesamt 2012: Papier. Wald und Klima schützen > zur Broschüre

DGVN: CO2-Emissionen ausgewählter Länder > zur Grafik

DGVN: Waldvernichtung weltweit > zur Grafik

Klima sucht Schutz > zur Webseite

Rat für nachhaltige Entwicklung: Der nachhaltige Warenkorb > zur Broschüre (PDF)

Umweltbundesamt: Endenergieverbrauch der privaten Haushalte > zur Webseite

UNDP: Den Klimawandel bekämpfen: Menschliche Solidarität in einer geteilten Welt. Bericht über die menschliche Entwicklung 2007/2008 > zum Bericht (PDF)

UNEP: E-waste, the hidden side of IT equipment´s manufacturing and use > zum Bericht (PDF)