Situation 08

Erneuerbare Energien

Unternehmer aus der Schweiz

Um dem Klimawandel zu begegnen, muss eine Abkehr von der Nutzung fossiler Brennstoffe stattfinden. Eine Transformation der Energiesysteme und der Wirtschaftsweise ist unerlässlich, um die Treibhausgasemissionen vor allem der entwickelten Länder und Schwellenländer zurückzufahren. Der Weg zu einer klimaverträglichen Energiegewinnung ist technisch und ökonomisch umsetzbar und erfordert eine Steigerung der Energieeffizienz sowie den Ausbau > erneuerbarer Energien.

Regenerative Energien können weltweit eine nachhaltige Energieversorgung sichern. Anders als fossile Brennstoffe wie Kohle und Öl sind die Ressourcen Wind, Sonnenstrahlung, Wasser, Erdwärme und nachwachsende Rohstoffe nicht erschöpfend. In Ländern mit nicht flächendeckender Infrastruktur können erneuerbare Energien den Zugang zur Energieversorgung und somit Armutsreduzierung erleichtern und so zur > menschlichen Entwicklung bspw. ländlicher Bevölkerungsgruppen beitragen. Besonders Wind- und Solarenergie gelten als saubere Energie, während Bioenergie und Erdwärme nicht immer CO2-arm sind. Umstritten sind auch Biokraftstoffe, da ihre Klimaschutzwirkung gering sein kann, unter anderem weil für ihre Gewinnung riesige Waldflächen gerodet werden. Lärmemissionen durch Windkraft oder der Flächenbedarf für Solaranlagen zulasten landwirtschaftlicher Anbauflächen und damit der Nahrungsmittelproduktion können durchaus Nachteile sein. Erneuerbare Energien sind kein Allheilmittel, der Umstieg ist aber essentiell für eine Begrenzung des Klimawandels.

Erneuerbare Energien auf dem Vormarsch

Im Jahr 2011 lag der Anteil erneuerbarer Energien am globalen Energieverbrauch bei 16,7 Prozent, der Anteil an der Stromversorgung bei 20 Prozent, mit steigender Tendenz in den vergangenen Jahren. Die USA, China, Deutschland, Spanien, Italien, Indien und Japan gehören zu den führenden Ländern. In Europa verfügen außerdem Österreich, Finnland, Schweden, Schweiz und Großbritannien über große Märkte. Wachstum verzeichnet besonders die Windenergie, deren größte Weltmarktanteile bei China, USA und Indien liegen. Der Ausbau der Solarenergie nahm 2012 weltweit um 42 Prozent zu.

Deutschland befindet sich in Europa und global unter den Spitzenreitern. 2012 betrug der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Energieverbrauch 12,6 Prozent, seit den 1990er Jahren stieg er stetig an. Erneuerbare Energien decken 22,9 Prozent des Stromverbrauchs, mehr als 10 Prozent des Wasserverbrauchs und 5,5 Prozent des Kraftstoffverbrauchs. Der Ausbau erfolgt auf Grundlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, das Versorgungsunternehmen verpflichtet, Strom aus erneuerbaren Energien anteilig ins Netz einzuspeisen.

2011 hatten 118 Länder politische Zielsetzungen und Maßnahmen für den Ausbau erneuerbarer Energien formuliert, mehr als die Hälfte unter ihnen Entwicklungsländer. Die Investitionen in erneuerbare Energien stiegen 2011 gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent auf 257 Milliarden US-Dollar an. Doch die mit Abstand größten Energiequellen sind nach wie vor Kohle, Öl und Gas, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen ist weiterhin immens. Um die globalen > Emissionen bis zum Jahr 2050 zu halbieren, müsste der Anteil erneuerbarer Energien bereits bis 2020 verdoppelt werden.

Gleichzeitig steigt mit dem Wirtschaftswachstum und zunehmenden Bevölkerungszahlen die globale Energienachfrage. Erst 2011 hatten die CO2-Emissionen mit 34,8 Milliarden Tonnen einen neuen Rekordwert erreicht und stiegen im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent. Weltweit nahm der CO2-Ausstoß seit 1970 um 112 Prozent zu. In Deutschland sind die Emissionen in den vergangenen Jahren zwar im Schnitt gesunken (von 10,1 Tonnen pro Kopf im Jahr 2003 auf neun Tonnen im Jahr 2009), doch die weltweiten Entwicklungen bleiben besorgniserregend.

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Die Geschichte zum Anhören

Ökologischer Fussabdruck

Foto: Ralf Tietz

Quellen & weitere Informationen

Auf der Flucht vor dem Klima. Positionspapier deutscher Nichtregierungsorganisationen, Jan. 2013 > zur Publikation (PDF)

BMU: Zeitreihen zur Entwicklung der erneuerbaren Energien in Deutschland (Stand Feb. 2013) > zur Webseite

BMU: Erneuerbare Energien in Deutschland – Das Wichtigste im Jahr 2011 auf einen Blick > zum Dokument (PDF)

Institute for Sustainable Development and International Relations (IDDRI) / International Organization for Migration (IOM): The State of Environmental Migration 2011 > zur Webseite

International Energy Agency (IEA): Progress Towards Clean Energy has Stalled, IEA Says (17.4.2013) > zum Artikel

International Energy Agency (IEA): Renewables > zur Webseite

IPCC Special Report 2011: Renewable Energy Sources and Climate Change Mitigation > zum Bericht (PDF)

REN21 (Renewable Energy Policy Network for the 21st Century): Renewables 2012. Global Status Report > zum Bericht (PDF)

Sachverständigenrat für Umweltfragen 2010: 100% erneuerbare Stromversorgung bis 2050: klimaverträglich, sicher, bezahlbar > zum Bericht (PDF)

UNDP: Den Klimawandel bekämpfen: Menschliche Solidarität in einer geteilten Welt. Bericht über die menschliche Entwicklung 2007/2008. > zum Bericht (PDF)

UNDP: Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. Eine bessere Zukunft für alle. Bericht über die menschliche Entwicklung 2011 > zum Bericht (PDF)

WBGU 2011: Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation > zum Bericht (PDF)

World Bank: Data Germany > zur Webseite