Situation 06

Industrieländer verantwortlich

Vertreter einer Nichtregierungsorganisation

Mindestens 200 Millionen Menschen werden Schätzungen zufolge bis zum Jahr 2050 ihre Heimat aufgrund des Klimawandels verlassen müssen. Die Auswirkungen der globalen Erwärmung sind von Region zu Region unterschiedlich, sie treffen aber vor allem die Ärmsten der > Armen. Extreme Wetterereignisse wie Stürme und Überschwemmungen fordern Menschenleben und vernichten Lebensgrundlagen. Das Schmelzen der Gletscher wird vielerorts die Wasserversorgung und Landwirtschaft gefährden. Der steigende Meeresspiegel macht Inseln und Küstengebiete unbewohnbar. Ökosysteme geraten aus dem Gleichgewicht, Wüsten breiten sich aus. Erhöhte Temperaturen und lange Trockenzeiten erschöpfen Wasserressourcen und Böden. Brennpunkte des Klimawandels sind vor allem das dicht bevölkerte Südasien, die Inselstaaten in Asien & Pazifik und der Karibik sowie Nordafrika und die Sahelzone.

Die Folgen des Klimawandels verschärfen Armut, verursachen massive wirtschaftliche Schäden und behindern > Entwicklung. Eine Katastrophe kann ganze Existenzen zerstören. Auch schleichende Prozesse wie die > Ausbreitung der Wüsten, die allmählich zum Verlust der Lebensgrundlage führen, machen Migration erforderlich. Die meisten Betroffenen fliehen innerhalb des Landes oder in Nachbarstaaten. Werden Gebiete dauerhaft unbewohnbar, bleibt nur die Umsiedlung ganzer Bevölkerungsgruppen.

Künftige Wanderungsbewegungen bringen große Herausforderungen mit sich. In armen Ländern ist die Abhängigkeit von der Landwirtschaft für die Nahrungsversorgung groß. Mit der Zerstörung der Lebensgrundlagen wird die Abwanderung in Städte zunehmen. Schon heute lebt mehr als eine Milliarde der weltweiten Stadtbevölkerung in Slums.

Armut schränkt die Fähigkeit zur Anpassung an Klimaänderungen ein. Anders als die Niederlande verfügen die Bewohner der Küstengebiete in Bangladesch nicht über effiziente Hochwasserschutzsysteme oder Versicherungen gegen Unwetterschäden. Mit Anpassungsprogrammen versuchen betroffene Länder, den Schutz der Bevölkerung zu verbessern –  durch Bewässerungssysteme für die Landwirtschaft, Regenwasserspeicher, den Anbau dürreresistenter Getreidesorten oder Frühwarnsysteme.

Verursacher des Klimawandels sind die entwickelten Länder des globalen Nordens sowie zunehmend Schwellenländer wie Indien oder China, deren > CO2-Ausstoß dramatisch steigt. Sie verbrauchen die meisten Ressourcen und verantworten fast 90 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Die Menschen in armen Ländern müssen die Konsequenzen tragen. Die Staatengemeinschaft steht hier in der Pflicht, den Klimawandel einzudämmen und Anpassungsmaßnahmen sowie den Aufbau neuer Existenzen der Betroffenen zu unterstützen.

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Die Geschichte zum Anhören

Ökologischer Fussabdruck

Foto: Peter Groth

Quellen & weitere Informationen

Auf der Flucht vor dem Klima. Positionspapier deutscher Nichtregierungsorganisationen, Jan. 2013 > zur Publikation (PDF)

DGVN: Migration als Chance > zur Webseite

IOM 2008: Migration and Climate Change > zum Bericht (PDF)

UNDP: Climate Change: Adaptation > zum Video

UNDP: Den Klimawandel bekämpfen: Menschliche Solidarität in einer geteilten Welt. Bericht über die menschliche Entwicklung 2007/2008 > zum Bericht (PDF)

UNDP: Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. Eine bessere Zukunft für alle. Bericht über die menschliche Entwicklung 2011 > zum Bericht (PDF)

Weltrisikobericht 2012 > zum Bericht (PDF)