Situation 05

Not der Landbevölkerung

Bauer aus Äthiopien

In Äthiopien herrschen Trockenheit und Wassermangel, die Lebensbedingungen der Kleinbäuerinnen und -bauern sind schwierig. Der Klimawandel verursacht durch den Rückgang der Niederschläge und höhere Temperaturen häufigere und intensivere Dürren, die Region wird immer trockener. In der Regenzeit lösen sintflutartige Niederschläge Fluten aus. Solche Wetterextreme haben in einer der ärmsten Regionen der Welt verheerende Auswirkungen. Äthiopien erlebte in den letzten Jahrzehnten zahllose Dürren, fünf davon führten zu Hungersnöten. Ernten und Viehbestände gehen zurück, Krankheiten wie Malaria breiten sich aus, massive wirtschaftliche Schäden entstehen und Konflikte um die knapper werdenden Ressourcen verschärfen sich.

Die Landwirtschaft ist extrem empfindlich für Dürren und Fluten. Afrika ist stark geprägt von Kleinbäuerinnen und -bauern und Subsistenzwirtschaft, die Bevölkerung ist von Landwirtschaft und natürlichen Ressourcen abhängig. In Äthiopien sind es mehr als 90 Prozent der Bevölkerung. Gleichzeitig leben hier 71 Prozent in starker > Armut. Der Klimawandel lässt die Anbauflächen und Erträge schrumpfen, trockene Gebiete weiten sich aus, die > Wüstenbildung nimmt zu. Der Rückgang der landwirtschaftlichen Produktivität wird immense Einkommens- und Nahrungsunsicherheiten bewirken, alleine die Produktion von Weizen wird in Afrika südlich der Sahara bis zum Jahr 2050 um über 20 Prozent zurückgehen.

Ein Fünftel der Bevölkerung Afrikas südlich der Sahara lebt auf > degradierten Böden, in Äthiopien sind es sogar 73 Prozent. Boden wird durch > Erosion, Überweidung, massive Entwaldung, hohen Brennholzverbrauch und Fehlmanagement in der Landwirtschaft unbrauchbar. Ausgelaugte Böden sind wiederum anfällig für Dürren und Fluten. In Verbindung mit dem Klimawandel, Gewaltkonflikten in vielen Regionen und den oft schwachen Staaten behindert die zunehmende Knappheit der Ressourcen > menschliche Entwicklung.

Bedrohliche Wasserknappheit

Große Teile Afrikas leiden unter starkem Wassermangel. In Äthiopien haben 80 Prozent der Bevölkerung keinen häuslichen Wasseranschluss. Hinzu kommt, dass verunreinigtes Trinkwasser und unzureichender Zugang zu Sanitäreinrichtungen Durchfall und Erkrankungen wie Cholera verursachen. Mit Ägypten, das stark auf das Nilwasser aus Äthiopien angewiesen ist und erhebliche Anteile für sich beansprucht, kam es bereits zu Spannungen um das begehrte Nilwasser. Ägypten ist ebenfalls von Wasserknappheit bedroht, denn 97 Prozent der Landesfläche besteht aus Wüste, die Bevölkerung lebt dicht gedrängt am Nil und an der Küste. Nordafrika und der Nahe Osten sind eine der trockensten Regionen der Welt und weisen den stärksten Wassermangel auf. Zusätzlich bedrohen der ansteigende Meeresspiegel und Versalzung die Landwirtschaft der stetig wachsenden ägyptischen Bevölkerung. Mit dem Klimawandel wird sich die Konkurrenz zwischen den Nilanrainerstaaten verstärken.

Hohe Verwundbarkeit und geringe Anpassungsfähigkeiten

Äthiopien ist enorm von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Zugleich sind die > Anpassungsfähigkeiten aufgrund von > Armut, geringer > Entwicklung, Ressourcenknappheit und hohem Bevölkerungswachstum sehr begrenzt. Mit dem nationalen Anpassungsprogramm bemüht sich die Regierung um Maßnahmen wie den Anbau dürreresistenter Sorten und die Errichtung von Frühwarnsystemen. Doch es fehlt z.B. an modernen landwirtschaftlichen Maschinen, Bewässerungssystemen und Versicherungen.

Der Druck auf die knappen Ressourcen und die Verwundbarkeit für die Folgen des Klimawandels werden sich künftig erhöhen, denn Äthiopiens Bevölkerung wächst jährlich um 3,2 Prozent. Scheitern die äthiopischen Bauernfamilien in ihren Anpassungsbemühungen und schwindet ihre Lebensgrundlage, ziehen viele von ihnen in die Städte, um ein Einkommen zu erwirtschaften. Die > Urbanisierung schreitet in Afrika schnell voran, bis zum Jahr 2050 wird die Stadtbevölkerung um eine Milliarde Menschen wachsen und sich gegenüber 2011 verdreifachen. In den Städten sind die Bedingungen nicht einfacher. Millionen landen in den Slums und informellen Siedlungen, wo sie um Wasser, Nahrung und Energie bangen und Umweltproblemen ausgesetzt sind. Für die Ärmsten der Armen scheint es keine Perspektive zu geben.

Dabei trägt Afrika südlich der Sahara lediglich drei Prozent zur globalen Zunahme der > CO2-Emissionen bei. Pro Kopf liegt der CO2-Ausstoß bei 0,1 Tonnen – ein Bruchteil des Ausstoßes der Bevölkerung in Industrie- und vielen Schwellenländern, wie ein Vergleich zeigt: Eine Spülmaschine in Europa verursacht so viel CO2 in einem Jahr wie der durchschnittliche Lebensstil von drei Menschen in Äthiopien.

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Die Geschichte im Video

Ökologischer Fussabdruck

VIDEO UND FOTO

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Deutsche Welle – Global Ideas
www.ideasforacoolerworld.de

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de.wfp.org

Foto: Judith Schuler/WFP

Die sprechende Person und die abgebildete Person sind nicht identisch.

Quellen & weitere Informationen

Deutsche Welle: Gezielte Bewässerung sorgt für gute Ernten > zum Video

DGVN-Grafik: Brennpunkte der Wasserkrise > zur Grafik

EACH-FOR: General Overview North Africa & Middle East > zur Webseite

EACH-FOR: General Overview Sub-saharan Africa > zur Webseite

IPCC 2012: Managing the Risks of Extreme Events and Disasters to Advance Climate Change Adaptation. A Special Report of Working Groups I and II of the Intergovernmental Panel on Climate Change > zum Bericht (PDF)

UN DESA 2012: World Urbanization Prospects. The 2011 Revision > zum Bericht

UNDP: Den Klimawandel bekämpfen: Menschliche Solidarität in einer geteilten Welt. Bericht über die menschliche Entwicklung 2007/2008 > zum Bericht (PDF)

UNDP: Der Aufstieg des Südens: Menschlicher Fortschritt in einer ungleichen Welt. Bericht über die menschliche Entwicklung 2013 > zum Bericht (PDF)

UNDP: Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. Eine bessere Zukunft für alle. Bericht über die menschliche Entwicklung 2011 > zum Bericht (PDF)

UNEP 2013: Africa Environment Outlook 3: Summary for Policymakers > zum Bericht (PDF)

UNEP 2012: Global Environment Outlook 5 > zum Bericht (PDF)

UNHCR / UNU-EHS 2012: Climate Change, Vulnerability and Human Mobility: Perspectives of Refugees from the East and Horn of Africa > zur Studie

WFP: Land Regeneration in Ethiopia > zur Webseite

World Bank Data: Ethiopia > zur Webseite

World Bank Climate Change Knowledge Portal: Ethiopia Dashboard > zur Webseite