Situation 03

Flucht vor Dürre und Gewalt

Dürre-Opfer aus Somalia

Die schwerste Dürre seit Jahrzehnten traf die Menschen am Horn von Afrika 2010/2011 hart. Die Trockenheit vernichtete Ernten, ließ das Vieh verenden, schränkte die Wasser- und Nahrungsverfügbarkeit drastisch ein und trieb die Lebensmittelpreise in die Höhe. 13 Millionen waren betroffen, besonders in Somalia sowie Teilen Äthiopiens und Kenias. In Somalia kam es zur schlimmsten Nahrungskrise seit 20 Jahren, die Vereinten Nationen erklärten eine Hungersnot in Teilen des Landes. Rund eine viertel Million Somalierinnen und Somalier, darunter 133.000 Kinder unter fünf Jahren, fielen ihr zwischen Oktober 2010 und April 2012 zum Opfer. Die ohnehin arme Bevölkerung – in Somalia leben 65 Prozent der Bevölkerung in starker > Armut – erlebte eine Katastrophe. Zum Höhepunkt der Krise im Sommer 2011 starben jeden Monat 30.000 Menschen. Noch ein Jahr später waren 3,8 Millionen auf humanitäre Hilfe angewiesen, Anfang 2013 waren es noch eine Million.

Die Dürre trieb Hunderttausende in die Flucht. Allein 2011 flohen fast 300.000 Somalierinnen und Somalier, mehr als die Hälfte von ihnen nach Nordkenia, wo die meisten im weltweit größten Flüchtlingscamp Dadaab landeten. Während der Hungersnot kamen täglich über 1.000 Flüchtlinge an, vor allem Frauen mit Kindern, die oft wochenlang zu Fuß gegangen waren. Dadaab, das heute knapp eine halbe Million Flüchtlinge beherbergt, war überfüllt und erreichte die Grenzen seiner Kapazitäten. Durch Regenfälle verursachte Überflutungen in den Camps und der Ausbruch von Cholera erschwerten die Lebensbedingungen zusätzlich.

Die Dürre verstärkte eine der schlimmsten Flüchtlingskrisen der Welt. Somalia ist nach 20 Jahren Bürgerkrieg ein zerfallener Staat. Seit Anfang der 1990er Jahre hatten Konflikte und bewaffnete Auseinandersetzungen das Land beherrscht, staatliche Strukturen waren zusammengebrochen. Um Gewalt, Armut und den wiederkehrenden Dürren zu entkommen, machten sich viele auf den Weg in ein anderes Land. Im April 2013 lebten über eine Million somalische Flüchtlinge in benachbarten Ländern der Region, hinzu kommen 1,1 Millionen > Binnenvertriebene.

Besonders der Landbevölkerung raubte die Dürre jegliche Lebensgrundlage. Nicht einmal in guten Jahren können somalische Bauernfamilien ausreichend Vorräte erwirtschaften. Nomadische Viehbäuerinnen und -bauern – ein Großteil der somalischen Bevölkerung – verloren ihr Vieh. Darüber hinaus wurden ihre Wanderungsbewegungen in den letzten Jahren durch die wachsende Bevölkerung und die zunehmende Konkurrenz um Land und Wasser mit ansässigen Bäuerinnen und Bauern eingeschränkt. Wasser- und Nahrungsmangel infolge der Dürre zwangen sie, ihre Heimatregion zumindest vorübergehend zu verlassen.

Klimakatastrophe am Horn von Afrika

Das Horn von Afrika ist eine der ärmsten und am stärksten vom Klimawandel betroffenen Regionen der Welt. In Afrika wird die Temperaturerhöhung infolge des Klimawandels in diesem Jahrhundert voraussichtlich drei bis vier Grad Celsius betragen, damit über dem globalen Durchschnitt liegen. Dürren, > Desertifikation, Sturzfluten in der Regenzeit und Bodenerschöpfung werden sich künftig noch verschärfen. Der Rückgang der Niederschläge und steigende Temperaturen werden Dürren häufiger und intensiver auftreten lassen.

Die Folgen sind hohe Ernteausfälle und ein Rückgang der Anbauflächen bei gleichzeitiger Ausdehnung trockener Gebiete. Damit drohen weitere Hungersnöte. Bereits 2012 hatten Dürren in der Sahelzone die nächste Nahrungskrise verursacht. Anfang 2013 waren noch 1,5 Millionen Kinder von akuter Unterernährung bedroht. Krankheiten wie Malaria breiten sich bei Trockenheit und Hitze weiter aus. Wassermangel, unter dem bereits viele afrikanische Länder leiden, wird zunehmen. In Afrika südlich der Sahara lebt rund ein Drittel der weltweit 884 Millionen Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser. 330 Millionen haben darüber hinaus keinen Zugang zu ausreichender Sanitärversorgung. Verschmutztes Wasser und mangelnde Hygiene führen zu Durchfallerkrankungen, Cholera, Typhus und anderen Krankheiten.

Schwere Dürren lösen Konflikte um knappe Ressourcen wie Wasser, Weiden und Wälder aus. In Afrika wirken Klimawandel, bewaffnete Konflikte und Flüchtlingsbewegungen gefährlich zusammen. Gewaltkonflikte und Ressourcenknappheit behindern > Entwicklung, die extreme > Armut begrenzt die > Anpassungsfähigkeiten an den Klimawandel erheblich. Dürren wirken sich gravierend aus, da in der Landwirtschaft moderne Methoden und Möglichkeiten zur Anpassung fehlen. Bevölkerungswachstum, die Übernutzung und > Degradierung von Ökosystemen und natürlichen Ressourcen sowie die vielerorts schwachen staatlichen Strukturen und Leistungen machen Afrika besonders verwundbar für die Auswirkungen des Klimawandels. Viele Menschen sehen sich gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und versuchen in einer anderen Region oder in einem benachbarten Land ihr Überleben zu sichern.

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Foto: Judith Schuler/WFP

Die sprechende Person und die abgebildete Person sind nicht identisch.

Quellen & weitere Informationen

DGVN: Hoffnungsschimmer in Somalia (12.11.12) > zum Artikel

FAO Somalia: Study suggests 258,000 Somalis died due to severe food insecurity and famine > zum Artikel

Institute for Sustainable Development and International Relations (IDDRI) / International Organization for Migration (IOM): The State of Environmental Migration 2011 > zur Webseite 

IPCC 2012: Managing the Risks of Extreme Events and Disasters to Advance Climate Change Adaptation. A Special Report of Working Groups I and II of the Intergovernmental Panel on Climate Change > zum Bericht (PDF)

reliefweb: Horn of Africa Crisis: 2011-2012 > zur Webseite

UNDP: Den Klimawandel bekämpfen: Menschliche Solidarität in einer geteilten Welt. Bericht über die menschliche Entwicklung 2007/2008 > zum Bericht (PDF)

UNDP: Der Aufstieg des Südens: Menschlicher Fortschritt in einer ungleichen Welt. Bericht über die menschliche Entwicklung 2013 > zum Bericht (PDF)

UNEP 2013: Africa Environment Outlook 3: Summary for Policymakers > zum Bericht (PDF)

UNEP 2012: Global Environment Outlook 5 > zum Bericht (PDF)

UNHCR: UNHCR alarmed over recent security incidents at Dadaab (21.12.11) > zum Artikel

UNHCR: Dadaab – World’s biggest refugee camp 20 years old (21.2.12) > zum Artikel

UNHCR: Crisis in Horn of Africa. A Worsening Humanitarian Situation > zur Webseite 

UNHCR: Somalia Fact Sheet (Apr. 2013) > zum Bericht (PDF)

UNHCR / UNU-EHS 2012: Climate Change, Vulnerability and Human Mobility: Perspectives of Refugees from the East and Horn of Africa > zur Studie (PDF)

UNICEF: Hunger und Dürre in Ostafrika > zum Video 

UN News: Millions in Africa’s Sahel region will continue to require food aid, says UN agency (20.2.13) > zum Artikel

UN OCHA: Somalia Humanitarian Dashboard (Feb 2013) > zur Grafik 

UN OCHA: Somalia: One year after famine was declared (20.7.12) > zum Artikel

UNU-EHS et al. 2009: In Search of Shelter. Mapping the Effects of Climate Change on Human Migration and Displacement > zur Studie (PDF)