Situation 02

Rettung vor den Fluten

Bäuerin aus Mosambik

Mosambik ist massiv von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Verheerende Fluten haben dem südostafrikanischen Land in den vergangenen Jahren schwer zugesetzt. Starke Regenfälle, gefolgt von vier Tropenstürmen, ließen zu Beginn des Jahrtausends die Flüsse anschwellen und lösten die schlimmsten Fluten seit 150 Jahren aus. Millionen Menschen waren betroffen, 700 starben, 650.000 wurden zeitweise durch die Wassermassen vertrieben. Dörfer standen teils monatelang unter Wasser. Häuser, Schulen, Straßen und 167.000 Hektar Anbauflächen wurden zerstört, Malaria und Durchfallerkrankungen nahmen zu.

Bauernfamilien in den Flussdeltas verloren ihr Hab und Gut, ihre Ernten und damit jegliche Lebensgrundlage. Während es einigen Flutopfern gelang, ihre Häuser wiederaufzubauen, mussten andere umsiedeln. Das Umsiedlungsprogramm der Regierung ermöglichte gefährdeten Gemeinden, in flutsichere Gebiete zu ziehen. 59.000 Familien wurden umgesiedelt. Doch die Umsiedlungszentren waren anfällig für Dürren, daher kehrten zahlreiche von ihnen zurück in die Flussdeltas, wo die Böden fruchtbar sind, um die Subsistenzwirtschaft wiederaufzunehmen. Viele von ihnen trafen die Fluten der Jahre 2001, 2007 oder 2008, und sie mussten erneut fliehen.

Nach sechs aufeinanderfolgenden Tropenstürmen kam es im Jahr 2007 wieder zu schweren Überschwemmungen. 285.000 Menschen waren betroffen, 140.000 wurden vertrieben, 277.000 Hektar Anbauflächen vernichtet. Dass vergleichsweise weniger Einwohnerinnen und Einwohner betroffen waren, ist auf die Maßnahmen der Regierung nach der Katastrophe des Jahres 2000 zurückzuführen. Frühwarnsysteme und Wetterstationen wurden ausgebaut, die Informationsbereitstellung für die Bevölkerung verbessert. Wurde die Landbevölkerung im Jahr 2000 noch größtenteils von den Fluten überrascht, war Mosambik 2007 besser vorbereitet. Bedrohte Dörfer wurden gewarnt, die Bewohnerinnen und Bewohner evakuiert. Dennoch haben auch diese Fluten die Entwicklung des Landes um Jahre zurückgeworfen.

Für die Bauernfamilien in den Flussdeltas sind Überschwemmungen eine ständige Bedrohung. Auch 2008 vertrieben Fluten 80.000 Menschen, zuletzt forderten sie im Januar 2013 150 Todesopfer und 150.000 Vertriebene. Im Zeitraum zwischen 2008 und 2012 wurden 640.000 Menschen in Mosambik durch Katastrophen heimatlos.

Vielfache Bedrohung durch den Klimawandel

Mosambik ist nicht nur ein Brennpunkt für Fluten und Tropenstürme. Auch Dürren, der ansteigende Meeresspiegel und > Küstenerosion bedrohen das Land. Während die Flussdeltas von > Erosion und Überschwemmungen betroffen sind, wird die Küstenerosion durch die Abholzung der Mangrovenwälder verstärkt. Dürren und Überflutungen haben schwerwiegende wirtschaftliche Folgen, vor allem in der Landwirtschaft. Der Großteil der Bevölkerung lebt von der Subsistenzwirtschaft und ist auf Regenfälle zur Bewässerung angewiesen. Trotz des relativ hohen Reichtums an natürlichen Ressourcen leiden die ländlichen Gebiete bereits unter Umweltproblemen und einer schlechten Wasserversorgung. Der Klimawandel wird die Lebensgrundlage der Landbevölkerung immer stärker bedrohen. Schon heute treten alle drei bis vier Jahre Dürren auf. Künftig werden die Erträge wichtiger Nahrungsmittel stark zurückgehen. An der Küste drohen intensivere Tropenstürme mit Regenfällen sowie Sturmfluten infolge des ansteigenden Meeresspiegels.

Mosambik zeigt die hohe Verwundbarkeit vieler > Entwicklungsländer für Wetterextreme infolge des Klimawandels auf. Das Land gehört zu den am stärksten betroffenen und zugleich am wenigsten entwickelten und ärmsten Ländern der Welt. Die > Anpassung an den Klimawandel ist entscheidend, aber nur begrenzt umsetzbar. Die Regierung bemüht sich um den Aufbau von Frühwarnsystemen und setzt Anpassungsmaßnahmen beispielsweise in der Landwirtschaft, Fischerei, im Wasser- und Küstenbereich um. Der Beitrag Mosambiks zum Klimawandel ist verschwindend gering. Ganz Afrika südlich der Sahara hat einen Anteil von zwei Prozent an den weltweiten > CO2-Emissionen, zwei Drittel davon gehen allein auf Südafrika zurück. Zum Vergleich: Der US-Bundesstaat Texas verursacht mehr CO2 als Afrika südlich der Sahara.

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Foto: Charles Hatch-Barnwell/WFP

Die sprechende Person und die abgebildete Person sind nicht identisch.

Quellen & weitere Informationen

EACH-FOR: Case Study Mozambique > zur Webseite

EACH-FOR: General Overview Sub-Saharan Africa > zur Webseite

IDMC 2013: Global Estimates 2012. People displaced by Disasters > zur Webseite

IPCC 2012: Managing the Risks of Extreme Events and Disasters to Advance Climate Change Adaptation. A Special Report of Working Groups I and II of the Intergovernmental Panel on Climate Change > zum Bericht (PDF)

IRIN: Escaping Floods > zum Video

UNDP: Den Klimawandel bekämpfen: Menschliche Solidarität in einer geteilten Welt. Bericht über die menschliche Entwicklung 2007/2008 > zum Bericht (PDF)

UNDP: Der Aufstieg des Südens: Menschlicher Fortschritt in einer ungleichen Welt. Bericht über die menschliche Entwicklung 2013 > zum Bericht (PDF)

UNEP 2013: Africa Environment Outlook 3: Summary for Policymakers > zum Bericht (PDF)

UNEP 2012: Global Environment Outlook 5 > zum Bericht (PDF)

UN News: UN humanitarian fund gives over $5 million to assist flood-stricken Mozambique (11.2.13) > zur Webseite

WFP: Anpassung an den Klimawandel > zur Webseite

Wheeler, David 2011:  Quantifying Vulnerability to Climate Change: Implications for Adaptation Assistance > zum Artikel (PDF)

Worldbank Climate Change Knowledge Portal:  Mozambique Dashboard > zur Webseite