Glossar

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Anpassung umfasst Maßnahmen zur Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels. Dazu zählen Frühwarnsysteme, Küsten- und Hochwasserschutz (u.a. Deichbau, Aufforstung mit Mangroven), effiziente Bewässerungssysteme und der Anbau dürreresistenter Getreidesorten in der Landwirtschaft. Während die Anpassungsfähigkeiten in reichen Ländern aufgrund der vorhandenen technischen Möglichkeiten und finanziellen Mittel vergleichsweise gut sind, sind die Fähigkeiten betroffener Entwicklungsländer gering. Besonders > Armut, schlechte soziale, wirtschaftliche und medizinische Bedingungen sowie politische Instabilität erschweren die Umsetzung von Schutzmaßnahmen. Mit nationalen Anpassungsprogrammen (NAPAs) versuchen betroffene Länder, den Schutz der Bevölkerung vor den Auswirkungen des Klimawandels zu verbessern. Die Anpassungsfähigkeiten eines Landes haben großen Einfluss auf den durch Klimafolgen verursachten Schaden: Sind sie gering, fallen Todesopfer und wirtschaftliche Schäden meist deutlich höher aus.

Armut/armes Land: Als arm gilt der Anteil der Bevölkerung eines Landes, der unterhalb der internationalen Armutsgrenze von 1,25 US-Dollar (in Kaufkraftparitäten) pro Tag lebt. Es gibt aber weitere Indikatoren für Armut, u.a. mangelnde Ernährung, Kindersterblichkeit, Schulbesuchsdauer in Jahren, Einschulungsquote oder der Zugang zu Brennstoffen, Toiletten, Wasser und Energie. Daraus setzt sich der Index für mehrdimensionale Armut zusammen, den das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP)  misst und in seinem jährlichen Bericht über die menschliche Entwicklung angibt. Die Ausstellung stützt sich auf Daten dieses Berichts sowie der Weltbank. Eine tabellarische Übersicht aller Länder bietet beispielsweise die Weltbank. Die Terminologie „arme Länder“ und „reiche Länder“ dient vereinfachend der Umschreibung, unter welchen Bedingungen der überwiegende Teil der Bevölkerung lebt. Orientierung gibt auch hier der  Bericht über die menschliche Entwicklung, der Länder mit niedriger, mittlerer, hoher und sehr hoher menschlicher Entwicklung unterscheidet.

Binnenvertriebene sind laut > UNHCR „Personen oder Personengruppen, die zur Flucht gezwungen oder verpflichtet wurden oder ihre Häuser oder üblichen Wohnsitze verlassen mussten, insbesondere infolge von oder zum Zwecke der Vermeidung der Auswirkungen von bewaffneten Konflikten, Situationen allgemeiner Gewalt, Menschenrechtsverletzungen oder natürlichen oder von Menschen verursachten Katastrophen, und die keine international anerkannte Staatsgrenze überquert haben.“

CO2-Emissionen: Die durch Industrialisierung und Wirtschaftswachstum seit Anfang des 20. Jahrhunderts enorm gestiegenen Kohlendioxidemissionen (CO2-Emissionen) haben eine globale Erwärmung bewirkt. Kohlenstoffsenken (Ozeane, Böden, Wälder) können die riesigen Mengen nicht mehr aufnehmen. CO2-Emissionen entstehen insbesondere durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe zur Energiegewinnung, Industrie, Land- und Viehwirtschaft sowie Entwaldung. Die Treibhausgase in der Atmosphäre nehmen stetig zu. Ein Großteil der Emissionen geht auf reiche Länder und zunehmend Schwellenländer zurück. Soll der globale Temperaturanstieg bis zum Jahr 2100 auf zwei Grad Celsius begrenzt werden, müssten die Emissionen bis zum Jahr 2050 um mindestens 80 Prozent gesenkt werden – angesichts der globalen Entwicklungen ein unrealistisches Ziel.
Die in der Ausstellung verwendeten Angaben der CO2-Emissionen pro Kopf beziehen sich auf das Jahr 2009 und sind den Daten der Weltbank entnommen.

Degradierung/Degradation von Böden und Ökosystemen bezeichnet im Allgemeinen die Verschlechterung ihres Zustands bis hin zur Zerstörung – durch Übernutzung, Überweidung, Abholzung, Misswirtschaft oder Verschmutzung. Ursachen sind klimatische Änderungen sowie Menscheneinwirkung. Im Zuge der Bodenverarmung gehen Nährstoffe verloren, die Biodiversität nimmt ab und es kommt zu > Erosion. Die Böden sind nicht mehr für die Nahrungsmittelproduktion nutzbar. Eine extreme Form der Bodendegradation ist die > Wüstenbildung.

Desertifikation/Wüstenbildung ist eine Form der > Bodendegradierung vorrangig in trockenen Gebieten. Sie entsteht vor allem durch menschlichen Druck auf Ökosysteme (Übernutzung, Entwaldung, Überweidung) und wird durch den voranschreitenden Klimawandel verstärkt. Infolge der Desertifikation geht die Vegetation zurück, > Erosion setzt ein. Mit der Austrocknung von Boden und Luft verknappen die Wasserressourcen. Die Böden werden unfruchtbar und damit unbrauchbar für die Landwirtschaft, das Land verödet. Rund 40 Prozent der weltweiten Landfläche sind Trockengebiete. Und für bereits 70 Prozent der Trockenflächen besteht Verwüstungsgefahr oder Desertifikationsprozesse haben bereits eingesetzt. Die Internationale Konvention zur Bekämpfung der Desertifikation (UNCCD) verpflichtet die internationale Gemeinschaft zum Handeln.

Erneuerbare Energien werden aus anhaltenden, unerschöpflichen oder sich wiederholenden Energieströmen in der Natur gewonnen und können eine nachhaltige und klimafreundliche Energieversorgung gewähren. Die Ressourcen Wind, Sonnenstrahlung, Wasser, Erdwärme und nachwachsende Rohstoffe sind im Unterschied zu fossilen Brennstoffen wie Kohle, Gas und Öl nicht erschöpfend. In armen Ländern können erneuerbare Energien den Zugang zur Energieversorgung erleichtern und so zur > menschlichen Entwicklung beitragen.

Erosion meint die Abtragung der Böden, die zur > Degradation bis hin zu ihrer Zerstörung führen kann. Erosion entsteht durch abfließendes Wasser aus Niederschlägen oder Wind und wird durch menschliche Übernutzung, Überweidung und Abholzung verstärkt – denn vegetationsarme Böden sind der Erosion schutzlos ausgeliefert. Durch die infolge des Klimawandels häufigeren Starkregenfälle werden die Böden weggeschwemmt und durch Stürme fortgeweht. Sie verlieren ihre fruchtbare Schicht, Nährstoffe werden ausgespült. Sturmfluten und der ansteigende Meeresspiegel verschärfen die Küstenerosion durch vordringendes Meerwasser. Dabei bricht nach und nach Landmasse an der Küste ab oder wird weggeschwemmt.

IPCC (International Panel on Climate Change): Die Zwischenstaatliche Sachverständigengruppe über Klimaänderungen, auch kurz „Weltklimarat“ genannt, trägt zur Bewertung von Risiken der globalen Erwärmung die wissenschaftlichen Erkenntnisse verschiedener Disziplinen zusammen und veröffentlicht den aktuellen Stand in regelmäßigen Sachstandsberichten.

Klimagerechtigkeit bedeutet, jedem Menschen auf der Erde unabhängig von nationaler Zugehörigkeit, Alter, Geschlecht, Rasse und Religion gleiche Nutzungsrechte an der Atmosphäre zuzugestehen, wobei die Gesamtbelastung der Atmosphäre mit Treibhausgasen so zu begrenzen ist, dass die mittlere globale Erwärmung auf maximal 2° Celsius beschränkt bleibt. „Klimagerechtigkeit“ wird im klimapolitischen Diskurs seit Jahren häufig als Leitbegriff verwendet, aber selten präzise definiert, auch findet sich dieser Begriff nicht in den Verhandlungstexten für die > Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen. Das macht seine Handhabung schwierig – und oft beliebig. Mit „Klimagerechtigkeit“ wird mitunter sehr Verschiedenes gemeint. Bei der Weltklimakonferenz 2012 in Durban drängten vor allem afrikanische Staaten sowie weitere Entwicklungs- und Schwellenländer darauf, „Klimagerechtigkeit“ zu einem der zentralen Begriffe der Klimadebatten zu machen.

Die Klimarahmenkonvention (United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC) ist ein multilaterales Klimaschutzabkommen, das 1994 in Kraft trat. Ziel ist eine Reduktion der menschenverursachten Einflüsse auf das Klimasystem, eine Verlangsamung der Erderwärmung und eine Abmilderung der Klimawandelfolgen. Die 194 Vertragsstaaten haben sich verpflichtet, Bericht über ihre Treibhausgasemissionen zu erstatten und Maßnahmen zum Klimaschutz umzusetzen. Jährlich findet eine Vertragsstaatenkonferenz statt, in deren Rahmen weitere Maßnahmen zum Schutz des Klimas beraten werden. Mit dem 1997 verabschiedeten Kyoto-Protokoll wurden erstmals verbindliche Verpflichtungen zur Emissionsreduktion festgelegt, dieses lief allerdings Ende 2012 aus.

Menschliche Entwicklung ist ein Prozess, der die Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten der Menschen erweitert. Die wichtigsten sind ein langes und gesundes Leben zu führen, Bildung zu erhalten und einen angemessenen Lebensstandard zu genießen. Zu den zusätzlichen Optionen zählen politische Freiheit und eine Garantie der Menschenrechte. Das Konzept der menschlichen Entwicklung wird mit Hilfe des Indexes der menschlichen Entwicklung erfasst – ein breit angelegtes Maß, das sich aus Gesundheit, Bildung und Einkommen zusammensetzt und das erlaubt, den Entwicklungsstand einzelner Länder viel realitätsnäher zu ermitteln statt wie bislang Entwicklung nur anhand von Einkommen (Wachstum des Bruttosozialprodukts) zu messen. Das Konzept stellt eine innovative Veränderung herkömmlicher Denkweisen dar.

Der ökologische Fußabdruck ist ein Nachhaltigkeitsindex. Er gibt die Fläche an, die der Lebensstil einer Person durchschnittlich in einem Land erfordert und umfasst dabei die erforderlichen Ressourcen für den Energiebedarf, Wohnen, Konsum und Ernährung, Reisen und Verkehr. Der ökologische Fußabdruck vergleicht den Ressourcenverbrauch mit den vorhandenen Biokapazitäten der Erde und misst so die Nachhaltigkeit der Lebensweise und das Ausmaß der Beanspruchung natürlicher Ökosysteme.

Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge (United Nations High Commissioner for Refugees, UNHCR) ist mit dem Schutz und der Unterstützung von Flüchtlingen betraut. Das Hochkommissariat handelt auf Basis der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951, die festlegt, wer als Flüchtling gilt und welcher rechtliche Schutz den Betroffenen zusteht. Das UNHCR unterstützt außerdem dauerhafte Lösungen für Flüchtlinge, wie die freiwillige Rückkehr, Integration oder Neuansiedlung.

Urbanisierung: Die rasch voranschreitende Urbanisierung wird durch die Auswirkungen des Klimawandels verstärkt und erhöht gleichzeitig den Druck auf die Umwelt. Heute lebt rund die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. Die wachsenden Städte lassen den Energieverbrauch und somit > CO2-Emissionen ansteigen und laufen so Gefahr, den Klimawandel weiter anzuheizen. Besonders in Regionen mit starkem Bevölkerungswachstum nimmt die Urbanisierung schnell zu. Unkontrollierte Urbanisierung, wie sie insbesondere in Asien, Afrika und Lateinamerika geschieht, verstärkt Armut in den Städten und schafft Umweltprobleme z.B. durch Abholzungen und Verschmutzung. Die Landflucht in Ländern mit geringer Entwicklung nimmt durch die Folgen des Klimawandels zu, da immer mehr Menschen ihre Lebensgrundlage verlieren. (UN DESA 2012: World Urbanization Prospects. The 2011 Revision.)

Versalzung ist eine Folge des ansteigenden Meeresspiegels. Meerwasser dringt durch den zunehmenden Druck sowie durch Überschwemmungen und Sturmfluten in Flüsse und Grundwasser ein, in der Folge erhöht sich der Salzgehalt des Bodens. Die Böden werden unfruchtbar, Trinkwasser wird verunreinigt. Die Versalzung wird zusätzlich durch einen Rückgang des Grundwassers infolge abnehmender Niederschläge oder hoher Wasserentnahmen (besonders für die Landwirtschaft) verstärkt.

Wasserstress entsteht, wenn die Wasserentnahme die verfügbaren und erneuerbaren Trinkwasserressourcen zu einem bestimmten Anteil übersteigt. In einigen Regionen der Welt herrscht bereits heute starker Wasserstress. Die Indikatoren zur Feststellung von Wasserstress variieren, häufig gilt die Verfügbarkeit von weniger als 1000 m³ Wasser pro Jahr und Kopf als Wasserstress. Häufig wird ab einer Entnahme von mehr als 20 Prozent der erneuerbaren Wasservorräte von Wasserstress gesprochen. Infolge von steigender Wasserentnahme durch Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum wird der Wasserstress in vielen Regionen künftig zunehmen, besonders in weiten Teilen Afrikas, in Lateinamerika, Südeuropa sowie in Teilen Asiens und Nordamerikas. Der Klimawandel verschärft Wasserstress zusätzlich in den Regionen, die von abnehmenden Niederschlägen betroffen sind.